BVB erfolgreich – auf Selbstzerstörungs-Trip

Der BVB kann bis 2 Spieltage vor Schluss auf eine aufregende Saison zurückblicken. Mit Höhen und auch einigen schrecklichen Tiefen – wie den Bombenanschlag auf den Mannschaftsbus Anfang April. Doch Verein, Spieler und Trainer sind nicht – wie gerne von Medien berichtet – enger zusammengerückt. Das oft zitierte „Tischtuch“ scheint zwischen Trainer Thomas Tuchel und insbesondere Chef Hans-Joachim Watzke zerrissen – mit wohl unüberbrückbaren Differenzen. 

Weltklasse abgegeben – Hungrige Spieler bekommen

Im Vorjahr wurde Thomas Tuchel – Cheftrainer von Borussia Dortmund noch als Heilsbringer gefeiert, weil er den taumelnden BVB sofort wieder auf Platz 2 der Tabelle führte. Die Westfalen waren gar die „besten Zweiten“ der Bundesliga-Geschichte.

Doch als die Saison 2016/17 begann – und Leistungsträger wie Mats Hummels, Henrich Mkhytaryan und Ilkay Gündogan den verließen – stellte der BVB seinem ambitionierten Trainer eine blutjunge Mannschaft zur Verfügung. Mit Investitionen von über 100 Millionen Euro (und ebenso hohen Transfer-Einnahmen) war allen Beteiligten klar, dass es eigentlich nur eine Übergangssaison werden könnte.

Talente wie Ousmane Dembelé, Emre Mor und Christian Pulisic (alle zwischen 18 und 20 Jahre jung) mussten in eine Mannschaft integriert werden. Insgesamt verstärkte sich der BVB mit 8 (sehr jungen) Spielern

Dembelé und Pulisic (schon in der Vorsaison im Profikader) schlugen voll ein. Beide sind Top-Vorbereiter und eiskalt vor dem Tor. Zusammen mit dem erst in der Rückrunde wieder genesenen Marco Reus und Pierre-Emerick Aubameyang stellen sie die Top-Offensive in der 1. Bundesliga – neben dem FC Bayern München.

Thomas Tuchel musste diese blutjunge und hungrige Mannschaft nun moderieren und passend „zusammenbastern“, was nun wirklich keine leichte Aufgabe war (und ist). Die Hinrunde verlief äußerst holprig – Licht und Schatten lösten sich ab. Herausragende Vorstellungen wie in der Champions League gegen Legia Warschau (6:0, 6:4) und Real Madrid (2:2, 2:2) sowie gegen Bayern München (1:0) mündeten wiederum in äußerst mageren Auftritten in der Bundesliga.

Zum Ende der Hinrunde belegte der BVB nur den 4. Platz – noch hinter RB Leipzig und 1899 Hoffenheim.

Attentat auf Mannschaftsbus schafft Ausnahmesituation

Die Rückrunde verlief dann allerdings äußerst erfreulich. Der BVB stabilisierte sich deutlich – Demebelé, Aubameyang und Reus trafen fleißig und nährten die Hoffnung, dass die Saisonziele – direkte Qualifikation zur Champions League und DFB-Pokalfinale – erreicht werden können.

Dann kam jener schicksalhafte Abend – der 11. April 2017 – als der BVB gerade zum Heimspiel im Champions League – Vierteilfinale (Hinspiel) gegen den AS Monaco ins Stadion aufbrechen wollte. Drei Sprengsätze zündeten in unmittelbarer Nähe des Hotels auf de Route zum Signal-Iduna Park. Scheiben zerborsten – Abwehrspieler Marc Bartra zog sich eine Armbruch zu und alle anderen Spieler sowie Trainer Thomas Tuchel erlitten einen Schock.

Das angesetzte Spiel wurde nach Beratungen mit der UEFA und der Vereinsführung der beide Vereine abgesagte. Allerdings wurde das Spiel schon auf den nächsten Tag um 18:30 Uhr verlegt. Coach und Spieler hatten waren aufgrund der Terminlage jedoch scheinbar einverstanden und traten zum Spiel am Tag darauf an. Von Experten wurde diese Ansetzung in Frage gestellt.

Der BVB verlor das Hinspiel mit 2:3 – hatte aber noch Hoffnung auf das Weiterkommen (was allerdings nicht gelang – Niederlage in Monaco mit 1:3).

Thomas Tuchel tat sich im Nachgang als umsichtiger Moderator der Ausnahmesituation hervor, indem er seine Spieler in Schutz nahm und versuchte sie behutsam wieder aufzubauen. Er selbst musste seine Ängste allerdings zurückstellen. So machte er sich scheinbar bei Fans, Spielern und Medien beliebt – obwohl er bis dato das Image eines kühlen Analytikers, ja Eigenbrötlers gefristet hatte – ganz im Gegensatz zu Jürgen Klopp.

Alles schien in bester Ordnung. Man glaubte die Mannschaft sei näher zusammengerückt mit dem launischen Trainer.

Tuchel stellt sich gegen Watzke

Doch wie sich spätestens seit dem Interview von Klub-Chef Hans-Joachim Watzke für die FUNKE-Mediengruppe, das ausgerechnet vor dem wichtigen Spiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim (2:1) veröffentlicht wurde, wird der Ärger zwischen Trainer und Vereinsführung öffentlich.

Watzke hatte auf die Frage, ob es Meinungsverschiedenheiten zwischen Trainer und Vereinsführung bezüglich der Ansetzung des CL-Spiel nach dem Anschlag gab gesagt:

Das ist so, ja!

Nach seiner Aussage gebe es einen „Dissens“ in der Betrachtung der Situation. Tuchel nach dem Spiel beklagt, dass er und die Mannschaft nicht in die Entscheidung mit eingebunden worden sein sollen.

Zudem sagte er, es sei „unmenschlich“ gewesen, dieses Spiel nur 24 Stunden später anzusetzen und er wäre nur „per SMS“ von der UEFA informiert worden.

Watzke und auch Klub-Präsident Reinhard Rauball hielten dagegen, der Trainer sei nicht nur „per SMS“ informiert worden, soviel er wissen, sagte Rauball. Außerdem hätte Watzke in dieser schwierigen Situation einen kühlen Kopf bewahrt und es hervorragend gemanagt.

Weiterhin hätten sowohl Trainer als auch Spieler die Möglichkeit gehabt, auf die Mitwirkung an der Partie zu verzichten – oder sogar „freiwillig“ aus dem Wettbewerb auszuscheiden. Keiner hätte dies allerdings wahrgenommen.

Auch aus dem Lager der Spieler gab es – anonym – öffentliche Kritik am Trainer. Man habe bei der Verpflichtung des Trainers gewusst, wie es in Mainz gelaufen sei. Ein halbes Jahr sei dann alles prima gelaufen, doch dann ging es los, wie bei seinem vorherigen Verein.

Wie eine eingeschworene Gemeinschaft klingt, das jedenfalls nicht.

Öffentliche Demontage des Trainer – großer (Image-)Schaden für den BVB

Vor den wichtigen letzten Spieltagen gegen Bremen und Augsburg, sowie dem DFB-Pokalfinale am 27. Mail 2017 gegen Eintracht Frankfurt wird der Trainer öffentlich an den Pranger gestellt.

Dass kann weder für den Trainer selbst, noch für den Verein sonderlich gut sein.

Warum wird der Trainer gerade jetzt so öffentlichkeitswirksam von der Vereinsführung vorgeführt? Warum wird das nicht intern geklärt?

So wie es scheint, wird der Vertrag mit Tuchel, der noch bis Sommer 2018 läuft, weder verlängert noch erfüllt. Die Zeichen Stehen ganz klar auf Abschied.

Doch was kommt danach? So wie sich der Verein aktuell darstellt, macht es die Trainersuche nicht gerade leichter. Mögliche Kanditaten wie Julian Nagelsmann (Hoffenheim) stehen nicht zur Verfügung. Mit dem im Raum stehenden Namen Lucien Favre würde man sich den nächsten „schwierigen Charakter“ ins Boot holen. Andere Kandidaten werden derartigen Inszenierungen sicherlich nicht gerade angezogen.

Der BVB scheint auf einem Selbstzerstörungs-Trip zu sein, obwohl Trainer und Mannschaft die Saisonziele so gut wie erreicht haben.

Muss das wirklich sein?

 

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