Bayerns Management in der Krise
geschrieben von lars | in Allgemeines, FC Bayern München, FC Schalke 04, Spieler, Trainer, Transfermarkt, Werder Bremen | am 06. 02. 2007
Es steht derzeit nicht gut um Uli Hoeneß. Wenn man „Hoeneß“ bei Google News eingibt, sind die ersten gefühlten dreihundertvierundsiebzig Treffer eher negativ behaftet. Sobald zur Zeit irgendwo darüber gesprochen wird, was falsch läuft im Fußball, wird irgendwann der FC Bayern und Uli Hoeneß erwähnt.
Heute morgen auf Bayern 2 Radio habe ich eine sehr abenteuerliche Argumentationskette mit anhören müssen. Es ging los bei den Ausschreitungen in Italien und führte über die Perspektivlosigkeit und Armut vieler Fans und die gnadenlose Kommerzialisierung des Fußballs direkt zur verfehlten Transferpolitik von Uli Hoeneß…
Die Kritik bleibt trotz vorhandener und in Deutschland gern gesehener Hysterie damit aber durchaus berechtigt. Bei den eigenen Ansprüchen und Aussagen ist die derzeitige Verfassung der Bayern schon stark mit der des HSV zu vergleichen. Und Fehler haben Hoeneß und Rummenigge nun wirklich einige gemacht. Vielleicht fing es damit an, dass die Bayern unbedingt beweisen wollten, dass Ballack kein wichtiger Spieler ist. Wer die Bayern (freiwillig) verlässt, kann nicht wichtig gewesen sein.
Und die Aussagen, dass die Spieler, die den Bayern wirklich weiterhelfen, nur für 30 bis 230 Millionen Euro zu haben sind und da immer auch Vereine wie Chelsea oder Barcelona mitbieten, wird nicht plausibler, wenn Rummenigge das seit einem Jahr ständig wiederholt. Niemand kann mir erzählen, dass Spieler wie Lincoln, Diego oder Gomez den Bayern nicht weitergeholfen hätten. Und irgendwie bezeichnend ist es auch, dass Torsten Frings erst nach Weggang von den Bayern zum Weltklassespieler wurde (zumindest 16 Kicker-Redakteure stuften ihn auch in der Winterpause dort ein).
Natürlich gibt es Spieler, die nicht zu einem Verein passen und sich woanders sehr gut entwickeln, siehe Zidan bei Mainz oder eben Frings bei Werder. Unbestritten ist es jedoch wohl auch, dass bei der bayerischen Transferpolitik Risikobereitschaft fehlt und die Scouting-Abteilung auch nicht so gut zu arbeiten scheint. Vielleicht hat sich die Taktik ausgereizt, abzuwarten, bis Spieler bei anderen deutschen Vereinen groß rauskommen, um sie dann aufzukaufen. Und zu der abenteuerlichen Argumentation von Uli Hoeneß zum Kauf von Jan Schlaudraff ist ja auch schon genug gesagt worden.
Und damit kommen wir zum Trainerwechsel. Meiner Meinung nach war der Rausschmiss von Felix Magath nicht zwingend notwendig. Und Hitzfeld zu verpflichten, zeugt ebenso wenig von Risikobereitschaft wie die diversen Spielertransfers der jüngsten Geschichte. Und um auch hier wieder mal Google News zu bemühen: Derzeit wird mehr darüber gesprochen, wer Hitzfelds Nachfolge wird, wenn er denn wirklich aufhört, als über das Spiel der Bayern und die aktuelle Saison. Da besteht nun wirklich die Gefahr, dass die Bayern in dieser Saison nichts mehr reißen und dann ärgert sich nicht nur Altintop über seine Entscheidung. Ich muss Udo Lattek recht geben, wenn er sagt, dass ein Trainer, der immer wieder betont, nur bis Saisonende zu bleiben, seine Spieler vielleicht nicht ausreichend motivieren kann.
Und jemand wie Mourinho lässt sich nicht mit den Aussagen abspeisen wie: Wir haben das schönste Festgeldkonto der Welt und werden keine 30 Millionen für einen Spieler ausgeben. Welchen Verein trainiert Mourinho derzeit noch mal…?
Vielleicht sehe ich das alles auch zu schwarz, aber fest steht, dass es derzeit für die internationalen Ansprüche der Münchner nun wirklich nicht reicht. Und auf Bundesliga-Ebene wird man sehen, aber auch hier scheint die Konkurrenz zu stark in diesem Jahr. Ich hoffe, dass Hitzfeld nicht weitermacht und dann ein Trainer mit Visionen geholt wird, dem auch die nötige Zeit gegeben wird, sich und sein taktisches Verständnis zu entwickeln.
Zur Abwechslung täte es den Bayern vielleicht mal ganz gut, sich bei den nationalen Konkurrenten etwas in Sachen Transferpolitik und Umgang mit den Trainern abzuschauen und nicht so zu tun, als seien sie das Maß aller Dinge.





Fussballvorhersage




















ähem – der Link von Google News (unten) hat zwei mal http: drin – ist eines zuviel…
Vielen Dank für den Hinweis, ist korrigiert.
Ich stimme dir in fast allen Punkten zu. Nur bei der internationalen Konkurrenzfähigkeit und dem Trainerwechsel möchte ich widersprechen. Ersteres lässt sich bei einem Gruppensieger in der CL (über Inter) kaum belegen.
Und ich finde nicht, dass die Bayern mit ihren Trainern flasch umgehen (sechs Jahre Hitzfeld zeugen von einiger Konstanz). Wie ich neulich schon in meinem Blog schrieb, war Magath in meinen Augen der Klotz, den die Münchner diese Saison am Bein hatten. Wer bei einem so unkrativen Spiel wie dem der Bayern immer weiter Kondition bolzt, bringt die Mannschaft nicht mehr weiter. Podolski deutete ja mal an, dass er so gerne zur Nationalmannschaft geht, weil dort z.B. Laufwege trainiert werden. Hitzfeld war im Interview nach dem ersten Spiel richtig erschrocken, wie viele Baustellen sein Vorgänger hinterlassen hat. Das musste auch der Bayern Führung zu denken geben.
Zum jetzigen Zeitpunkt hatte Bayern nur noch die Chance den Trainer zu wechseln, neue Spieler konnten sie nicht mehr holen, da haben sie einfach zu lange gewartet! Und wenn sie den Trainer jetzt nicht wechseln und am Ende reicht es mit Magath nicht zum CL-Platz, dann hätte man dem Management das auch vorgeworfen, dass sie es nicht zumindest versucht haben mit einem neuen Trainer.
@DerSportTyp: Natürlich hat Bayern in der aktuellen Champions League sehr gute Ergebnisse erzielt (was meiner Meinung nach doch auch Verdienst des Trainers ist…?). Allerdings meine ich mit Konkurrenzfähigkeit eher die eigenen Ansprüche der Bayern, mit den besten mitzuhalten, also Barcelona, Chelsea etc. und da hapert es meiner Meinung nach dann doch. Und die (natürlich ältere) Aussage, dass die Bayern die einizge Mannschaft sind, vor der Real Madrid Angst hat, holt auch keinen hinterm Ofen hervor.
Und zur Trainerfrage: Hitzfeld ist meiner Meinung nach zu diesem Zeitpunkt nicht die richtige Wahl (warum wurde er noch mal vor zweieinhalb Jahren gefeuert? und was hat er in den letzten zweieinhalb Jahren gemacht?). Da hätte man Magath gleich behalten können. Normalerweise erhofft man sich ja von einem Trainerwechsel einen kurzfristigen Einfluss auf die Moral und dann auch die Spielweise der Mannschaft. Hier muss man natürlich abwarten, was der nächste Spieltag bringt und vor allem, wie es in der Champions League läuft; nur Zweifel sind doch angebracht.
Und dass Bayern nun überhaupt im Viertelfinale steht, ist Magaths Verdienst genauso wie es Magaths (Mit-)schuld ist, dass die Mannschaft in den letzten drei Spielen versagt hat.
Um den letzten Satz nochmal zu erläutern: Ich glaube nicht, dass der Trainerwechsel die einzige Möglichkeit zum jetzigen Zeitpunkt war (dann schon eher in der “besten Winterpause aller Zeiten”…); es stand immer noch die Champions League aus, wo sich die Mannschaft und der Trainer beweisen konnten.
Ich würde nicht einmal davon sprechen, dass Hitzfeld “gefeuert” wurde. Damals sahen einfach beide Seiten ein, dass ein Trainer nach sechs erfolgreichen Jahren Schwierigkeiten hat, die Mannschaft noch zu erreichen. Hitzfelds sofortige Zusage zeigt ja auch, dass sich die Bayern damals mehr als korrekt verhalten haben. Nun umgibt ihn wieder der Nimbus des in den letzen zehn Jahren unerreichten Trainers. Ich glaube nicht, dass es derzeit auf dem Markt eine bessere Wahl gegeben hätte, zumindest in Bayerns Kragenweite.
Nur mal so als kurze Zwischeninfo:
Ein Verpassen der CL-Quali würde den FCB ca. 15 Millionen Euro kosten. Also Mindereinnahmen natürlich. “Das würde uns nicht umbringen” sagt dazu zwar Hoeneß, aber mal eben 15 Mille wegschmeisse kann selbst der Rekordmeister nicht.
Ich bete, dass der FCB den Mut hat, mal was wirklich neue zu probieren. Einen jungen Trainer zu holen. Warum nicht Doll? Abgesehen von der verfehlten Transferpolitik der sportlichen Führung beim HSV hat er in den ersten Jahren eine sehr gute Arbeit geleistet.
Aber gut, mir soll es recht sein, wenn er nciht kommt. Heribert Bruchhagen wird ihn sicherlich nehmen, wenn es mit Funkel mal nicht laufen sollte in nächster Zeit…
Grad beim Einkaufen hab ich mal eben durch den Focus geblättert, weil dort “die Wahrheit über den Rauswurf Magaths” verkündet wurde. Angeblich wurde Magath gefeuert, weil die Bayern sich von nun an dem Tempofußball der Engländer annähern wollen, die ihnen angeblich taktisch um Jahrzehnte voraus sind. Magath habe die Mannschaft taktisch zurück in die 80er geführt (mehr hab ich nicht lesen können).
Mal abgesehen davon, dass sich die Bayern in Sachen Tempospiel auch an Werder und Schalke etwas abgucken können (siehe oben…), frage ich mich, inwiefern Hitzfeld da weiterhelfen soll, den Hoeneß ja eben nicht unbedingt nur als Zwischenlösung ansieht.
Soweit ich mich erinnere, spielt Bayern München schon ewig (also auch schon unter Hitzfeld) so wie derzeit, normalerweise halt erfolgreicher.
richtig, die spielen schon lange so…aber wenn sie ihn wegen der spielweise feuern, dann ist der Zeitpunkt jetzt doch mehr als dämlich! Vor allem wenn man auch keinen Trainer in der Hinterhand hat, der länger als ein paar Monate bleiben wird…
Richtig, Lars & Frittenmeister. Wir spielen schon seit fast einem Jahrzehnt so einen Stiefel, nur eben erfolgreicher.
Inzwischen hat die ganze Liga aber gelernt, wie die Bayern zu packen sind, dazu ist der Kader lange nicht so gut wie erwartet. Und Verstärkungen sind keine in Sicht.
Ich bin sehr gespannt wie das so sein wird, wenn wir genauso ein Bundesligaverein sind, wie alle anderen auch…