Bierhoff und der DFB: Ein Kommentar

geschrieben von Benjamin Weissinger | in Fussball, Skandale, Spieler, Trainer | am 09. 02. 2010

Da ist sie also zerbrochen, die heile Welt des DFB. Vor und nach der WM 2006 war es noch eine große und glücklicke Fußballfamilie. Nun steht man vor einem Scherbenhaufen. Es haben sich Grüppchen gebildet, man redet hinter dem Rücken übereinander. Das Bild, was nach außen abgegeben wird, ist katastrophal. Und es wird immer deutlicher, dass Oliver Bierhoff im entstandenen Konflikt die Hauptrolle spielt.

Der smarte Ex-Stürmer war in seiner Person als Teammanager nie unumstritten. Das hing bisher jedoch weniger mit seiner letztendlich tadellosen Arbeit als mit seiner Person zusammen. Der als arrogant, schnöselig und geldgeil verschriehene 41-Jährige war schon als Fußballprofi ein Außenseiter. Seine Arbeit beim DFB verstärkte das noch. “Ich-Ag”, “Egozentriker”, “Schönling”. Die Liste der spöttischen Anwürfe gegen ihn ist lang. Ebenso wie die Liste seiner mächtigen Gegenspieler: Rummenigge, Völler, Netzer, nun wohl auch Sammer. Dabei bekam Bierhoff viel von dem Gegenwind ab, der auch den Reformern Klinsmann und Löw galt, an die sich jedoch nach den sportlichen Erfolgen viele Kritiker nicht herantrauten. Bierhoff, der Sündenbock? Teilweise ja, aber nicht nur.

Bierhoff agierte mehrfach unglücklich, mit wenig Gespür für die Befindlichkeiten anderer deutscher Fußballprotagonisten. Mit forscher, öffentlich geäußerter Kritik an den Trainingsmethoden und der Qualität der Bundesligavereine im Jahr 2007 beging er in den Augen vieler Clubtrainer eine Kompetenzüberschreitung. Nach dem verlorenen EM-Finale 2008 wollte er den tief enttäuschten und auf der Jagd nach einem großen internationalen Titel erneut gescheiterten Michael Ballack zum Winken in die Fankurve schicken. Dieser schimpfe ihn aus. Zurecht. Spätestens danach verfestigte sich der Ruf Bierhoffs als “Eventmanager”, der sich vom eigentlichen Spiel entfernt und nur auf Show und Geld aus ist. Hier trifft man freilich auf viel Bigotterie. Schließlich wollen beim DFB alle Geld verdienen, und die Show wurde von den Deutschen stets dankbar aufgenommen.

Bierhoff hat es nie verstanden – oder hat es stets bewusst abgelehnt – sich anzupassen und einzugliedern. Dennoch überrascht es, dass er seine Verhandlungsposition im Vertragspoker so maßlos überschätzt hat. Vielleicht hat er gehofft, dass er an der Seite seines Freundes und Bundestrainers Joachim Löw unangreifbar ist. Das DFB-Präsidium ließ jedoch beide abblitzen. Und wieder wird Bierhoff, selbst wenn er nach der gescheiterten Machtprobe über die WM 2010 hinaus im Amt bleiben sollte, in den Augen der Öffentlichkeit seinen Ruf bestätigt haben.