BVB: Dank Großkreutz doppelt gedemütigt

geschrieben von Benjamin Weissinger | in Borussia Dortmund, FC Schalke 04, Fussball, Medien, Skandale, Spieler, Stadien, Trainer, Vereine | am 30. 09. 2009

Es tut einem als BVB-Sympathisant in der Seele weh, wenn man dieser Tage die Nachrichtenwelt verfolgt. Als wäre es noch nicht genug, dass man das Derby mit reichlich Pech und Unvermögen vor heimischem Publikum verloren hat, musste BVB-Reservist Kevin Großkreutz, der Südtribünengängern des BVB als “einer von ihnen” bekannt ist, sich auch nach Schlusspfiff des Bundesligaklassikers noch blamieren. Großkreutz behauptete Journalisten gegenüber, von Manuel Neuer nach Ende der Partie an der Mittellinie mit dem Ellbogen geschlagen worden zu sein. Seine Mannschaftskameraden Nuri Sahin und Marcel Schmelzer bestätigten seine Aussage. Nachdem Pay-TV-Sender Sky zunächst keine Bilder liefern konnte, strahlte der WDR schließlich Aufnahmen aus, die die Schilderungen des Triumphirats klar widerlegten. Zwar stießen Neuer und Großkreutz auf Höhe der Mittellinie gegeneinander, und eine Absicht von Manuel Neuer ist durchaus nicht auszuschließen, doch zu einem “Ellbogenschlag gegen die Nase” kam es definitiv nicht.

Ein gefundenes Fressen für Schalke-Fans, die sich ihren Derbysieg mit hämischen Videos über Großkreutz’ Märchenstunde zusätzlich versüßten. Vielleicht wäre diese Peinlichkeit Anfang der Woche vom Tisch gewesen, doch Großkreutz hielt es für nötig, in einer Kolumne für ein schwarzes-gelbes Fanzine seine Geschichte umzudichten. Der 21-Jährige verlagerte den Tatort kurzerhand in den Kabinengang und behauptete, dass er und seine beiden Mitstreiter “die dortigen Vorkommnisse” gemeint hätten, von denen es freilich keine Videoaufnahmen oder sonstige Zeugenaussagen gibt. Wenn man vorher noch hätte argumentieren können, dass die drei Borussen im Eifer des Gefechts wirklich einen Ellbogenschlag wahrnahmen, den es garnicht gab, so kann Großkreutz’ Umdichtung wirklich nurnoch als Notlüge bezeichnet werden. Denn sowohl Großkreutz, Sahin als auch Schmelzer bezogen sich in ihren Interviews explizit auf die Szene auf dem Platz. Eine dankbare Geschichte für Boulevardblätter wie die Bild-Zeitung, denen die Story gleich mehrfach ein Platz auf ihrer Online-Startseite wert war.

Den Verantwortlichen des BVB war derweil zwar anzumerken, wie unangenehm ihnen die Geschichte war, und sie hätten diese am liebsten schnell beendet, hielten es aber dann doch wider den unbestreitbaren Fakten für nötig, zu betonen, dass sie keine Zweifel an der Richtigkeit der Aussagen ihrer Spieler hätten. Trainer Jürgen Klopp erklärte etwa: “Ich bleibe dabei, ich glaube meinen Jungs” Noch unglücklicher präsentierte sich BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der zwar einerseits behauptete, die Bilder garnicht gesehen zu haben, sich andererseits jedoch sicher war, dass “ein Sahin, Schmelzer oder Großkreutz nicht lügen”. Als wenn es nicht schon genug befremdet, dass ein Profispieler sich bis auf die Knochen blamiert und sich als übermotivierter Fan outet, so muss ihm die Vereinsführung auch noch sekundierend zur Seite springen. Unprofessioneller und unseriöser geht es kaum.

Es bleibt zu hoffen, dass sich eine solche Farce nicht wiederholt, und dass wenigstens intern Tacheles gesprochen wird. Die Außenwirkung des Vereins hingegen hat durch diesen Vorfall schweren Schaden genommen.