Das Loch bleibt

geschrieben von Benjamin Weissinger | in Allgemeines, FC Schalke 04, Fussball, Skandale, Trainer | am 14. 04. 2008

Mirko Slomka hat es schon früh geahnt. Als Schalke-Präsident Josef Schnusenberg ihn im Winter letzten Jahres heftig und öffentlich kritisierte und einen gestandenen Nachfolger forderte, da gelang es dem 40-Jährigen zwar, im Amt zu bleiben. Slomka stellte jedoch fest, dass ein mit voller Wucht in die Wand geschlagener Nagel nicht ohne Spuren wieder entfernt werden kann. Im Dezember 07 – nach dem Einzug ins CL-Achtelfinale – erklärte er, dass er auf Schalke erst dann akzeptiert werden würde, wenn er Titel holt.

Chancen auf einen Titel hat Schalke in dieser Saison nicht mehr. Dieser Umstand macht es möglich, dass Mirko Slomka trotz der historischen Viertelfinal-Teilnahme des Vereins in der Champions League und Platz drei in der Bundesliga am Sonntag gefeuert wurde. Nun läuft man immer Gefahr, sich pauschal auf die Seite eines medialen Sympathieträgers zu stellen. Zugegeben, Slomka hatte immer wieder Probleme mit einzelnen Spielern, wechselte häufig die Aufstellungen. In den letzten Wochen stagnierten Spielwitz und Tempo im Spiel der Königsblauen zunehmend. Trotz alledem muss man feststellen, dass Mirko Slomka auf Schalke immer wieder Steine in den Weg gelegt wurden, die sich sicher nicht positiv auf sein Selbstbewusstsein und sein Standing gegenüber der Mannschaft ausgewirkt haben.

Dass die Chemie zwischen Slomka und dem S04 einfach nicht gestimmt hat, ist da noch die dankbarste Interpretation für den Ruhrgebietsclub. Wahrscheinlicher ist, dass Slomka Opfer eines blau-weißen Traumas geworden ist. Die 2007 erneut knapp verpasste Meisterschaft hat dazu geführt, dass sich die Führungsriege in ein verkrampft-trotziges Anspruchsdenken verstiegen hat. Alles andere als der lang ersehnte Titel gilt als Fehlschlag. Die Leistungsfähigkeit und qualitative Breite des Kaders wird überschätzt. Die derzeitige Außendarstellung des Vereins ist von der plumpen Selbstdarstellung einzelner geprägt und stets ein gefundenes Fressen für die Medien. Die Entlassung von Mirko Slomka mag nötig geworden sein, hat jedoch eines gezeigt: Schalkes Trainerproblem geht Hand in Hand mit Problemen in der Vereinsführung.