Der Fluch der guten Tat

geschrieben von Benjamin Weissinger | in Borussia Dortmund, Fussball, Spieler, Trainer, Vereine | am 28. 05. 2009

Beim BVB hat man derzeit allen Grund, mit dem Schicksal zu hadern. Eine furiose Aufholjagd katapultierte die Schwarz-Gelben in den letzten zehn Spieltagen vom Tabellennirvana ins obere Tabellendrittel – jedoch nicht nach Europa. Die Verdienstmöglichkeiten in der neu geschaffenen Euro League sind zwar vergleichsweise gering. Trotzdem dürften besonders den Finanzfachleuten des immernoch verschuldeten Champions League-Siegers von 1997 die Gesichtszüge entglitten sein, als die Nachricht des späten HSV-Tores und das Abrutschen auf den “Holzmedaillen-Platz” Sechs verkündet wurde. Durch die Siegesserie der Klopp-Elf kamen dem BVB die stark leistungsbezogenen Verträge seiner angestellten Spieler teuer zu stehen. Die am Ende gesammelten 59 Zähler reichten bisher fast immer für die Teilnahme an internationalen Wettbewerben, was dieses Geld wieder reingespült hätte. Nur diese Saison nicht.

Nicht nur dieser tragikomische Umstand, der Neuverpflichtungen ohne das Verkaufen von Leistungsträgern praktisch ausschließt, lastet auf den Schultern des Traditionsvereins. Auch die Erwartungshaltung der eigenen Fans könnte in Klopps zweitem Trainerjahr, das traditionell zu den Schwierigeren gehört, zum Problem werden. Schon jetzt appelliert der 41-Jährige an die Intelligenz der Anhänger und erhofft sich die Erkenntnis, dass man so bemerkenswerte Sprünge wie den von Platz 13 auf Platz 6 nicht jede Spielzeit wiederholen kann. Andererseits übt sich Klopp in Zweckoptimismus und stellt den Transferstopp als Vorteil dar, da der Kader sich so einspielen könne und ohnehin jeder Spieler noch steigerungsfähig sei. Zweifellos hat Klopp ein Händchen für die Mannschaft entwickelt und besonders im Mittelfeld mit Tamas Hajnal, Nuri Sahin, Kuba und Sebastian Kehl eine starke Formation geschaffen. Ob die Mannschaft es wirklich noch besser kann, und nicht vielleicht doch am Limit gespielt hat, diese Frage darf allein schon nach dem schwachen Auftritt am Wochenende in Gladbach gestellt werden. Dazu kommen Unwägbarkeiten wie Verletzungen, und eine dünn besetzte Bank.

Die Vereinsführung wird gut daran tun, die Euphoriebremse zu treten. Mannschaft und Verein haben zwar eine tolle Entwicklung genommen. So kometenhaft wie in der Rückrunde wird der Aufstieg der Borussia jedoch nicht über die Bühne gehen, wenn überhaupt. Mittelfristig wäre es dem Verein vor allem angesichts der weiter aufrüstenden Konkurrenz anzuraten, über neue Finanzierungskonzepte nachzudenken.