Deutsch-iranische Wunderheilung
geschrieben von Benjamin Weissinger | in Fussball, Spieler, VfL Wolfsburg | am 10. 09. 2008
Ende vergangener Woche meldete sich Ashkan Dejagah noch mit “schwerer Zerrung” krank und verzichtete damit auf die Teilnahme am Länderspiel gegen Israel am gestrigen Abend. Wenige Stunden später das Wunder: Keine Probleme mehr. Dejagah kann am Wochenende gegen seinen alten Club Hertha ran. “Ein besonderes Spiel für mich,” so der Wolfsburger Mittelfeldspieler.
Das Match gegen Israel war allerdings auch besonders. Denn im Hinspiel in Israel war es noch keine Verletzung, sondern ein vieldiskutiertes, bewusstes Fernbleiben, was Dejagah und dem Deutschen Fußballbund eine Menge Kritik einbrachte. DFB-Präsident Theo Zwanziger reagierte und stellte damals fest, dass “heute Iraner, morgen Deutscher, wie es gerade passt” nicht funktioniert und dass der DFB nicht hinnehmen werde, “dass ein deutscher Nationalspieler aus Gründen der Weltanschauung seine Teilnahme an einem Länderspiel absagt.”
Nun, das hat Ashkan Dejagah dieses Mal tatsächlich vermieden. Zumindest nach außen hin. Zweifel an Dejagahs Bereitschaft, als deutscher Nationalspieler gegen Israel anzutreten, sind jedoch spätestens nach der Wunderheilung erlaubt. Eher albern wirkt jetzt die Feststellung des DFB-Mediendirektor Harald Stenger, dass die medizinische Diagnose “eindeutig” und die Absage “unausweichlich” war.
Auch eine andere Frage muss erlaubt sein: Hätte der DFB, dem die Feststellung so wichtig ist, dass Dejagah als deutscher Nationalspieler kein Problem mehr mit einem Aufeinandertreffen mit Israelis hat, nicht dafür sorgen sollen, dass Dejagah im Stadion erscheint? Sich mit auf die Bank setzt? Die wohl doch nicht so schwere Verletzung hätte diese kurze Reise wohl zugelassen und einige Zweifel ausgeräumt. Aber vielleicht hätte das Dejagah auch garnicht mitgemacht. Und das hätte neue Probleme für den DFB bedeutet. Anscheinend ist das Durchschummeln von allen Seiten als beste Lösung akzeptiert worden. Man darf schon jetzt gespannt sein, was beim nächsten Aufeinandertreffen von Deutschland und Israel mit Nationalspieler Ashkan Dejagah passiert.





Breitnigge




















Ich habs auch schon vermutet. Was in deinem Artikel allerdings fehlt, ist die Begründung Dejagahs beim ersten Spiel: Er wolle seine in Teheran lebende Familie nicht in Schwierigkeiten bringen.
Für mich klingt diese Begründung recht plausibel, aber ob seine Familie wirklich Probleme im Iran bekommen würde, kann ich als Laie nicht beurteilen.
Also zunächst mal haben Bekannte und andere Exil-Iraner Dejagahs Argumentation angezweifelt. Ich glaube auch kaum, dass das iranische Regime jede Familie eines iranischstämmigen Sportlers verfolgt, der an Wettkämpfen mit Israel teilnimmt. Und zweitens – und darauf will ich vor allem hinaus – ist es aus Sicht des DFB mehr oder weniger egal, ob er auf ideologischer oder pragmatischer Basis von Teheran aus fremdbestimmt wird, sowas geht meines Erachtens absolut garnicht.
Man sollte eigentlich meinen, dass ein Spieler es als Ehre empfinden sollte für sein Heimat- Vater- oder Wahlland zu spielen. Sorry, aber wenn dem nicht so ist, dann weg mit den Spielern. Es sollten doch noch genug gleich gute Spieler zur Auswahl stehen…
Ich habe meinem Ärger über die stillschweigende Duldung durch den DFB gerade per mail Luft gemacht. So etwas darf es einfach nicht in unserer Nationalelf geben!! Kann es nur jedem anderen auch raten. Wer dass nicht akzeptieren will, der sollte mal auf die DFB Seite gehen und unter Kontakt dem DFB sagen, was man von dem Rassismus des Herrn Dejagah hält. Wenn wieder keiner was sagt, dann passiert auch nichts!
Übrigens hatten sich Barış Özbek und Patrick Ebert auch kurz vor dem Spiel krank gemeldet. Scheint wohl eher eine ansteckende Krankheit gewesen zu sein.