Die vorprogrammierte Krise

geschrieben von Benjamin Weissinger | in FC Bayern München, Fussball, Spieler, Trainer, Vereine | am 24. 08. 2009

Kein Sieg aus den ersten drei Bundesligaspielen, dazu die demütigende Niederlage gegen den Karnevalsverein Mainz 05. Der FC Bayern steckt schon kurz nach dem Start in einer schweren Krise. Es handelt sich jedoch keineswegs nur um eine Ergebniskrise. Viel schockierender ist, was Trainer Louis van Gaal derzeit auf den Rasen schickt. Ein Verein, der in den letzten zwei Jahren über 130 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben hat, präsentiert mit Rensing, van Buyten und Badstuber ein Abwehrtriumphirat, welches weder dem Namen noch der Leistung nach internationale Ansprüche rechtfertigt. Im Mittelfeld scheint ein schwarzes Loch as known as die Abwesenheit des kränkelnden und unmotivierten Franck Ribery die anderen zu lähmen, im Sturm zeigen Gomez und Klose derzeit eindrucksvoll, warum sie als extrem formabhängig gelten.

Sicher, Leistungsträger sind verletzt. Und individuelle Qualität ist reichlich vorhanden. Doch Zusammensetzung und Planung sind eine Katastrophe. Ein Führungsspieler wie Tymoschuk wurde demontiert, indem van Gaal ihm den unter Klinsmann auf die Abschussliste geratenen van Bommel vorzog. Gegen Mainz schlich der Ukrainer wie ein Schatten seiner selbst über den Platz. Im Tor gab man Rensing durch Verhandlungen mit Neuer und einer Last-Minute-Enscheidung für ihn und gegen Butt zu verstehen, dass er mittlerweile nurnoch eine Notlösung ist, und genauso spielt er auch. Ein Defensiv-Eckpfeiler wie Lucio schien nicht mehr erwünscht und wurde abgegeben, fehlt nun an allen Ecken und Enden. Die größte Lücke klafft jedoch im Mittelfeld. Spielkultur ging schon letzte Saison praktisch ausschließlich von Ribery und Ze Roberto aus. Letzterer zaubert nun für den HSV. Und ersteren sieht van Gaal auf der klassischen 10er-Position. Eine kolossale Fehleinschätzung des erfahrenen Trainers, dem Franz Beckenbauer und auch Ribery selbst zurecht widersprechen.

Die Krise ist das Resultat eines großen Durcheinanders, dass durch die sich widersprechenden Kaderplanungen Klinsmanns und van Gaals entstanden ist. Aber auch die etwas halbherzig scheinende Übergabe der Manageraufgaben von Hoeneß an Nerlinger scheint ein Mitgrund zu sein. Der Abgesang auf die Ligadominanz des FC Bayern ist natürlich voreilig, wenn überhaupt ernstgemeint. Jedoch wird es länger dauern als ein oder zwei Spiele, um Ordnung in den Verein und auf den Rasen zu bringen.