Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer…

geschrieben von Torsten | in Allgemeines, Fussball, Hamburger SV, Medien, Skandale, Spieler, Spieltage, aufreisser | am 13. 02. 2007

…doch ein Mahdavikia verursacht schon einmal Frühlingsgefühle in Hamburgs Fußballwelten. In der 10. Spielminute des Bundesligaspiels gegen Borussia Dortmund hob Mahdavikia ohne Einwirkung eines Gegenspielers im Strafraum ab und bewog so Schiedsrichter Lutz Wagner dazu, Elfmeter für den HSV zu pfeifen.

Ich glaube, er hat mich berührt

So der Iraner zur Sachlage. Roman Weidenfeller, vermeintlicher Straftäter, war höchst empört, bezichtigte den Flügelflitzer des HSV später im Spiel mit aussagekräftigen Gesten der Schauspielerei.
Nun hat sich der Kontrollausschuss des DFB der Sache angenommen und erwartet eine schriftliche Stellungnahme des Vorwurfs des “krass sportwidrigen Verhaltens”. Gemutmaßt wird, dass am Ende eine Sperre für zwei Spiele heraus kommen wird. Ähnlich wie vor 12 Jahren, als ein gewisser Andreas Möller seine Flugkünste im Strafraum des KSC übte.

Mahdavikia hat immerhin erreicht, dass der HSV auf die Siegerstraße kam. Das frühe 1-0 gab Sicherheit und Selbstvertrauen. Gut, die Borussia war an diesem Samstagnachmittag so schlecht, dass sie so oder so verloren hätten. Aber das kann und darf keine Entschuldigung sein für solch ein Vergehen, mit dem man die komplette Fußballlandschaft vera….t.

Von vielen Seiten wird immer wieder ein sogenannter “Ehrenkodex” für Spieler eingefordert, der das unfaire Spiel eindämmen, wenn nicht gar verbannen soll. Umzusetzen ist dies wohl eher nicht. Zumindest nicht zu 100%. Lobenswert wäre, wenn sich der ein oder andere Spieler mal besinnen würde und in ähnlicher Situation darauf verzichten würde, eine Schwalbe, einen Ellbogencheck oder eine verbale Provokation einzusetzen.

So lange es aber einige Journalisten noch als “gewitzt” oder “schlitzohrig” beschönigen und verharmlosen, werden immer wieder “Mahdavikias” eingesetzt, um sich und seinem Klub einen Vorteil zu verschaffen.
Der HSV hat immens profitiert von dieser Aktion am Wochenende. Und es wird in den nächsten Wochen wieder andere Vereine geben, die davon profitieren werden. Das wird so lange fortgesetzt, bis wirklich mal eine Strafe ausgesprochen wird, die auch Wirkung zeigt. Auch Klubintern müssen drastische Strafen eingesetzt werden, damit diese Unart endlich wieder verbannt wird aus den deutschen Stadien. Viel zu häufig wird gefallen, gelitten und gestorben auf dem grünen Rasen; man muss ja mitunter wirklich gehörig Angst haben um so manchen Spieler. Gott sei Dank können sie nach lebensbedrohlichen Attacken des Gegenspielers schnell wieder aufstehen und laufen (man kann schon ein Wunder dahinter vermuten).

Doch nicht nur Spieler und Vereine müssen sich diesbezüglich ändern. Auch das Schiedsrichterwesen ist aufgerufen, sich und seine Regelauslegungen zu hinterfragen. Wenn ich ein Trikotzupfen mit einer gelben Karte bestrafe und mit einer Blutgrätsche gleichsetze (zumindest vom Strafmaß her), dann muss ich mich nicht wundern, wenn ich damit verschiedensten Provokationen, Schauspielereien und Flugversuchen Tür und Tor öffne.
Muss man wirklich immer so kleinlich pfeifen? Muss jeder Zweikampf, in dem sich die Spieler berühren, schon unterbinden? Oder sollte man nicht viel mehr ein Spiel laufen, sich entwickeln lassen? Unnötige Härte gehört unterbunden, sicherlich. Aber nicht, indem man schon nach zwei Minuten einen harmlosen Rempler im Mittelfeld abpfeift. Auch darunter hat das Spiel Fußball deutlich zu leiden!

Nun bleibt die Hoffnung, dass der neuerliche “Fall” (vorsicht, zweideutig) dazu beitragen möge, das Schwalbentum und die Schauspielerei endgültig aus dem Fußball zu vertreiben. Aber ich fürchte, dass es sich wie mit dem jährlich wiederkehrenden Hoppeditz verhalten wird. Eines Tages kommt wieder einer tief geflogen, bekommt einen Elfer, ist das Schlitzohr schlechthin und alles geht von vorne los.