Früher und heute…

geschrieben von Nils | in Allgemeines, Eintracht Frankfurt, FC Bayern München, FC Schalke 04, Mainz 05, Spieler, Werder Bremen | am 09. 01. 2007

Jens kam mir mit den Weltmeistern von 1990 und ihren jetzigen Tätigkeiten zwar zuvor, aber das trifft sich irgendwie ganz gut.

Was waren das für Zeiten? Ich selbst bin zwar noch nicht so alt, aber mein Vater wird sich sicherlich noch daran erinnern, wie es war, deutsche Spieler bei internationalen Top-Vereinen spielen zu sehen.

Ich erinnere an die Italia ´90-Connection:
Brehme, Klinsi, Matthäus – gingen alle zu Inter Mailand.
Ein Kohler, ein Möller oder ein Reuter, die später nach Turin wechselten.

Häßler , der erst ebenfalls nach Turin ging, um ein Jahr später zum AS Rom zu gehen. Ein Berthold oder ein Völler die bei eben diesem AS Rom schon spielten.
Oder ein Riedle, den es zum Rivalen Lazio Rom zog.
Ein Illgner sollte später noch das Tor von Real hüten und ein Köpke weit später zu Marseille wechseln.
Insgesamt 10 Spieler des Weltmeisters von 1990 gingen vor oder nach der WM zu italienischen Clubs. Damals war dort die Cremé de la Cremé des internationalen Fußballs ansässig.

Wer sprach schon von der First Divison? Ja, so hieß die Premier League in England mal und damals war Kick-and-Rush noch modern…
Lediglich der FC Barcelona oder Ajax Amsterdam konnten in der von italienischen Mannschaften dominierten Zeit ab und an etwas dagegen setzen. So gab es zwischen 1988 und 1998 lediglich ein einziges Endspiel um die Landesmeisterkrone ohne italienische Beteiligung. Doch wo fand dies statt? Genau: In Italien!

Im UEFA-Cup war kein großartig anderes Bild zu sehen. Zwischen 1988 und 1995 war in jedem Endspiel eine italienische Mannschaft vertreten.
Also kann man mit Fug und Recht behaupten, dass unsere Spieler damals bei den Top-Clubs der Welt vertreten waren. Damals…

Und heute?
Kennt jemand eventuell einen Heinz Müller? Der spielt in Norwegen. Als Torwart übrigens eine Zeit lang vor Claus Reitmeier.
Oder wie wäre es mit Sergio Peter? Nein, der spielt nicht in Brasilien. Dafür ist Paolo Rink zuständig.

Nein, Sergio Peter spielt auch nicht in Australien, da spielen nur André Gumprecht und Marcus Wedau. Ist er vielleicht in China aktiv? Auch falsch. Hier spielt nur Jancker – Moment! Jancker? Da war doch was! Richtig. Ihm gefiel es wohl nicht Hunde essen zu müssen und somit spielt er wieder in “heimischen” Gefilden. Sprich in Mattersburg. In Ungarn spielt nur Kampa und in Zypern nur der Haber.

Tja, Sergio Peter spielt in Blackburn. Er ist, das muss man an dieser Stelle auch sagen, noch relativ jung mit 20 und genießt dort wohl eher eine Ausbildung, als eine Festanstellung. Dennoch ist der Unterschied zwischen Anzahl und Qualität der im Ausland spielenden Deutschen erschreckend. Meist handelt es sich um Fußballer, die zu alt, zu schlecht oder zu **** (bitte mit einem negativen Attribut Deiner Wahl ersetzen) waren, um es in Deutschland zu schaffen.

Die, die wirklich wegen Ihrer starken(!) Leistung geholt wurden, kann man an einer Hand abzählen. Dies sind, Ballack, Lehmann, Hamann (zumindestens noch in Liverpool), Klos und sicherlich mit Abstrichen die Protagonisten Hinkel, Odonkor und Nowotny. Letzerer macht mal wieder einen auf Deisler und fällt bis zum Saisonende aus. Auch Hinkel und Odonkor haben Anlaufschwierigkeiten. Auch nicht sonderlich rosig die Zeit bei den beiden.

Und was stellen wir fest? Die größte Anzahl deutscher Spieler bei einem Verein außerhalb unserer Gefilden spielt wo? Richtig! In Salzburg!
Dann kommt dazu, dass sowohl Lehmann, als auch Hamann ihre Karriere so langsam ausklingen lassen. Dass Ballack derzeit in Chelsea recht stark in der Kritik steht. Außerdem wird wohl sein größter Fürsprecher bald den Arbeitsplatz wechseln. Wie es dann mit ihm an der Stamford Bridge weitergeht steht in den Sternen.

Deutsche Spieler sind also auch nach einer tollen WM anscheinend nicht gefragt in Europa. Im Gegensatz zu Franzosen, Brasilianern, Argentiniern, Italienern, Spaniern oder auch Holländern. Da fallen mir auf Anhieb 5 bis 10 Nationalspieler ein, die im Ausland ihr Geld verdienen.
Aber auch irgendwie nicht in der Bundesliga. Mal von einem Makaay, einem van Bommel, einem Diego oder einem van der Vaart abgesehen, hält es sich doch sehr in Grenzen.

Fazit: Keine Stars bei uns. Keine Stars im Ausland. Ist die Liga zu stark oder zu schwach? International reißen wir ja nicht wirklich viel in den letzten Jahren. Europa ist näher zusammen gerückt. Die Verhältnisse haben sich geändert. Wenn uns schon Rumänien in der 5-Jahres-Wertung auf den Fersen ist, dann muss man wohl oder übel von einem Wechsel der Kräfteverhältnisse sprechen.

Der Hoeneß Ulli würde ja jetzt wieder von schlechten Fernsehgeldern sprechen, die dazu führen. Nur leider trifft das ja nicht so ganz auf Rumänien zu, oder habe ich da was verpasst? Auch in Holland oder Portugal sprengen die Fernsehgelder jetzt nicht unbedingt alle Dimensionen.

Daran alleine kann es also nicht liegen, auch wenn England, Spanien und Italien schon einen riesen Vorsprung vor dem Rest haben. Stellt sich also die Frage, ob wir bald auch deutsche Clubs von Ölmagnanten übernehmen lassen wollen oder ob wir uns mit weniger Erfolgen zufrieden geben. Bedingt denn das eine das andere überhaupt? Wie knapp war das Ausscheiden von Frankfurt oder Bremen? Ja sogar unserer Nationalmannschaft!?Aber bei Schalke sind sie dennoch schon drin. Mal sehen, wann der nächste Club umfällt.

A propos umfallen. Thurk wechselt zurück nach Mainz. War ja ein kurzes Gastspiel! Mal sehen, wer jetzt noch bei der Eintracht die Stiefel schnüren wird. Da kommt nämlich ein Stürmerproblem auf uns zu…