Gedanken zum DFB-Pokalfinale

geschrieben von lars | in FC Nürnberg, Fussball, Trainer, VfB Stuttgart | am 26. 05. 2007

Ich glaube, ich kann von mir sagen, dass ich gerne Fußball im Fernsehen angucke. Muss man als Fußballschauer, der auch einigermaßen was von dem Spiel versteht und eine Mannschaft hat, die er ohne jedes Zögern gegen jede andere Mannschaft der Welt favorisiert, und zur gleichen Zeit auch ohne Zögern mindestens drei Mannschaften aufzählen kann, die, egal gegen wen sie spielen, einfach immer verlieren sollen…wie fing der Satz nochmal an?…muss man als solcher eigentlich immer einer Mannschaft den Sieg mehr gönnen? Wie entscheidet man eigentlich, für wen man ist, wenn zwei Mannschaften gegeneinander spielen, die einem völlig egal sind?

Stuttgart gegen Nürnberg zum Beispiel. Beiden Mannschaften stehe ich uneingeschränkt emotionslos gegenüber. Na gut, beide sind in dieser Saison unerwarteterweise über sich hinausgewachsen, haben einigermaßen sympathische Trainer und den ein oder anderen Spieler, den ich gerne bei Werder sehen würde, aber trotzdem ist es mir eigentlich völlig egal, wer von beiden den Pokal holt. Nach einigem Überlegen bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich eher Nürnberg den Sieg gönne. Der Trainer ist mir noch ein bisschen sympathischer, auch wenn mir seine immer gleiche Art bei Pressekonferenzen langsam etwas auf den Keks geht, und Stuttgart ist schon Meister.

Noch schwerer fällt es mir allerdings bei dem Spiel, das gerade läuft: 1. FFC Frankfurt gegen FCR 2001 Duisburg…ich möchte hier gar nicht chauvimäßig daher kommen so nach dem Motto Fußball ist Männersport und “Können die nicht mal ein bisschen schneller laufen?!?”…spannend ist das Spiel und kämpferisch und technisch auch auf gutem Niveau.

Ich kenne mich aber beim Frauenfußball nicht aus, weiß zwar, dass Frankfurt irgendwie immer dabei ist, wenn es um was geht, und dass Berlin die letzten Jahre der erste Konkurrent der Frankfurterinnen war, doch damit hat es sich schon. Ich weiß noch nicht mal, was denn aus den Berlinerinnen geworden ist und ob Duisburg die große Überraschung dieser Saison ist (da ich aus bestimmten Gründen ohne Ton schauen muss, hilft mir auch der Moderator nicht weiter). Und trotzdem habe ich nun nach 75 Minuten Spielzeit entschieden, dass ich für Duisburg bin. Ich könnte nun schreiben, es ist grundsätzlich schön, wenn der Außenseiter gewinnt (ich weiß aber wie gesagt noch nicht mal, ob Duisburg überhaupt Außenseiter ist) und Duisburg ist die bessere Mannschaft (was meiner Meinung nach auch so ist, zumindest in der zweiten Halbzeit).

Allerdings hat meine Entscheidung nichts mit Fußball allgemein oder dem Spiel im Besonderen zu tun: Die Duisburgerinnen sehen einfach besser aus.

Was mich zu meiner letzten Frage führt: Wie entscheiden fußballschauende und -mögende Frauen, für welche Mannschaft sie sind, wenn beide ihnen am Arsch vorbeigehen? Bitte sagt mir, dass die Gründe, zumindest manchmal, genauso elend sind!