In München brennt der Baum!
geschrieben von Nils | in Allgemeines, FC Bayern München, Fussball, Spieler, Vereine, VfB Stuttgart | am 23. 04. 2007
Ich erinnere mich an dieses legendäre Zitat von Giovane Elber, der dies in einem Interview kurz vor Weihnachten zu der damals prekären Situation seines Arbeitgebers Bayern München äußerte. (“Wenn wir das nächste Spiel verlieren, dann brennt bei uns der Baum!”)
Der FC Bayern München im Frühjahr 2007 würde indes wahrscheinlich viel dafür geben einen Typen wie Elber in seinen Reihen zu sehen. Aber beginnen wir von vorne, bevor wir auf Typen zu sprechen kommen. Die Niederlage gegen Stuttgart und vor allem die Art und Weise, wie selbige geschah könnte man durchaus als den Super-GAU für den Rekordmeister von der Säbener Straße ansehen. Fünf Punkte Rückstand auf den VfB Stuttgart bei noch vier ausbleibenden Spielen ist das, was man durchaus eine Mission Impossible bezeichnen könnte. Vor allem dann, wenn man sich einmal das Restprogramm beider Mannschaften ansieht:
31. Spieltag:
Bayern zu Hause gegen den wieder erstarkten HSV. Mit einem Sieg in der Allianz-Arena könnte der HSV die Saison sogar noch harmonisch beenden und Rafael van der Vaart will sich bestimmt bei seinem möglichen zukünftigen Arbeitgeber präsentieren.
Der VfB spielt auswärts in Gladbach. Ein Gastspiel beim ersten fast schon sicheren Absteiger, dem nur noch ein Wunder helfen kann acht Punkte in den verbleibenden Spielen auf Platz 15 aufzuholen. Vielleicht ergreifen sie den allerletzten Strohhalm, allein mir fehlt der Glaube.
Fazit: Stuttgart hat den etwas leichteren Gegner, obwohl sie auswärts spielen.
32. Spieltag:
Diesmal sind die Bayern zu Gast auf dem Bökelberg im Borussia-Park und je nach dem, wie das Spiel gegen den VfB für die Fohlen verlaufen ist, kann es schon sein, dass sie gegen einen zukünftigen Zweitligisten spielen. Doch auch dann wäre ein Sieg über den großen Gegner früherer Zeiten nochmal ein wenig Balsam auf die Wunden der Fans. Von einem versöhnlichen Abschied kann man zwar nicht reden, aber ein Sieg über die Münchener ist immer etwas schönes, wenn man den bitteren Gang in Liga Zwei antreten muss.
Stuttgart indes empfängt den FSV Mainz 05. Erneut ein potentieller Abstiegskandidat, der durchaus in der Lage ist den VfB zu ärgern. Die Spielweisen der beiden Mannschaften scheinen mir recht ähnlich, auch wenn das Spielermaterial sich natürlich unterscheidet, sonst wäre Mainz nicht unten und der VfB oben.
Fazit: Ausgeglichen. Für beide Team kein wirklich leichtes Los.
33. Spieltag:
Die Bayern zu Gast in Cottbus. Die Lausitzer haben in der Rückrunde einen derartigen Lauf hingelegt, dass sie im eigenen Stadion durchaus als starker Gegner einzuschätzen sind. Auch wenn ich mich von dem Gedanken “Abstiegskandidat” noch nicht so recht trennen kann, so arbeitet man im Osten des Landes sehr ruhig und konzentriert und fährt nun den verdienten Erfolg ein.
Stuttgart darf sich ein wenig im Pott, genauer in Bochum, umsehen. Bochum könnte schon aus dem dicksten Schlamassel raus sein, oder noch ganz ganz tief drin stecken, daher ist eine Prognose recht schwierig. Dennoch ist dieser Gegner natürlich nicht zu unterschätzen (oder was denkst Du Markus?).
Fazit: Erneut zwei Duelle gegen mögliche Abstiegskandidaten (Cottbus hat am 30. Spieltag zwar 5 Punkte Vorsprung, aber die können auch schnell wieder verbraucht sein!), die auf dem Papier leichter aussehen, als sie wahrscheinlich sind.
34. Spieltag:
Die Bayern nun zu Hause gegen Mainz. Letztes Spiel, möglicherweise die Chance, wenn der VfB patzt noch auf den ersehnten CL-Platz zu rutschen. Möglicherweise aber auch einfach nur der Versuch eine verkorkste Saison (ohne Titel ist bekanntlich immer verkorkst beim FCB) mit einem guten Auftritt zu einem einigermaßen versöhnlichen Abschluss zu bringen. Wie dem auch sei, falls Mainz hier noch theoretische Chancen hat die Klasse zu halten (oder es sogar aus eigener Kraft schaffen kann), dann werden sie sich garantiert zerreißen. Es wäre ein erneutes Wunder, was Jürgen Klopp mit seinen Mannen vollbringen könnte. Dem Abstiegsgespenst am letzten Spieltag beim Ligakrösus noch von der Schippe springen, wäre eine richtig schöne Story für die Annalen des selbsternannten “Karnevalsverein”.
Der VfB hingegen darf sich mit aller Energie auseinandersetzen. Sollte Cottbus den Klassenerhalt hier schon geschafft haben, denke ich, dass der VfB ein recht leichtes Spiel haben wird. Cottbus wird sicherlich nicht 100 oder gar 120% geben, dafür besteht keine Veranlassung, außer natürlich, es besteht die Chance auf das internationale Geschäft (sprich UI-Cup. Hat Cottbus dafür gemeldet?). Denn Cottbus international wäre eine kleine Sensation und für die Lausitz DER Erfolg der letzten Jahre.
Fazit: Bayern mit der sicherlich schwereren Aufgabe, wenn Mainz noch Chancen haben sollte. Das Restprogramm beider Mannschaften besteht ausschließlich aus noch möglichen Absteigern. Dass heißt auch, dass man diese Gegner gerne einmal unterschätzt. Stuttgart hat eindrucksvoll bewiesen, dass sie mit der Rolle des Gejagten zurecht kommen. Ein “Schalke-Syndrom” (die 2005 am 25. Spieltag gegen Bayern 1:0 gewannen, drei Punkte Vorsprung in der Meisterschaft hatten und am Ende mit 14! Punkten Rückstand Platz zwei einnahmen – Schalke erspielte in den folgenden neun Spielen lediglich 10 Punkte, während die Bayern mit einem 27 Punkte-Lauf die Liga geradezu überrollten) kann ich mir bei den Schwaben nicht vorstellen, dazu tönt niemand lautstark rum und Armin Veh wird seine Mannen schon auf den Kampf um Platz Drei einstimmen.
Wenn man sich also dieses Restprogramm betrachtet, kann man schon verstehen, warum die Bayern-Verantwortlichen auf die Mannschaft einhauen, wie selten. Beispiele gefällig?
Es besteht die große Gefahr, dass eine Mannschaft auseinander fallen kann vier Spieltage vor Saisonschluss, wenn diskutiert wird über Verstärkungen und viele Spieler schon in Verhandlungen mit anderen Vereinen sind (O. Hitzfeld)
Wir werden jetzt vor allem im Defensivbereich arbeiten, weil wir da sechs, sieben katastrophale Fehler gemacht haben, aber egal, ob ganz vorne oder ganz hinten, wir waren kein Team. Das hat mich am meisten aufgeregt (O. Hitzfeld)
Mark van Bommel ist im Mittelfeld ein ganz wichtiger Spieler, aber ein Handwerker. Wir brauchen im Mittelfeld einen Spielertypen, der eine Partie lenken kann. Den haben wir im Moment nicht. Und dann muss ich überlegen, ob ich noch einen Stürmer brauche, wenn ich andere abgebe. (F. Beckenbauer)
Vielleicht haben wir nicht diese Spielertypen, die diese absolute Klasse haben. Und vielleicht sind einige auch zu nett. Es wird sicherlich einen großen Schnitt geben. (O. Hitzfeld)
Dass es so schwierig wird, hätte ich mir nicht vorgestellt. (O. Hitzfeld)
Faszinierend ist derweil, dass der eigentliche Lautsprecher des viertreichsten Clubs der Welt, ein gewisser Wurtsfabrikant namens Hoeneß bisher sehr zurückhaltend agiert. Das ist meist ja ein schlechtes Zeichen für den Coach, wobei ich natürlich fragens in die Runde blicke, warum es denn mit Hitzfeld partout nicht laufen will. Unter Magath lief es durchschnittlich nicht schlechter (nach dem letzten Ergebnis sogar besser, wenn ich mich nicht täusche!). Aber gut. Hitzfeld muss nun zusehen, dass er der Mannschaft den nötigen Schnitt verpasst, damit in der kommenden Saison wieder um die Meisterschaft mitgespielt werden kann. Eine schöne Analyse über die Kadersituation in der kommden Saison findet sich bei breitnigge. Man kann sagen, dass akuter Handlungsbedarf im Mittellfeld der Bayern herrscht. In der Defensive sollte trotz der haarsträubenden Fehler keine Veränderung von statten gehen für die nächste Saison. Wenn Ismael zurückkehrt ist der Konkurrenzkampf auch größer und somit steigt die Leistung. Vielleicht spielt Hitzfeld dann wieder sein beliebtes 3-4-3 System. Wundern würde es mich nicht. Die Spieler dazu hat er auf jeden Fall. Doch was dem FC Bayern am allermeisten fehlt sind “Typen”. Vergleichen wir mal den Kader der CL-Sieger-Mannschaft von 2001 und analysieren die Typen:
Tor: Kahn vs. Kahn (Ja, da hat sich nix geändert, abgesehen davon, dass er doch um einiges ruhiger scheint, als früher)
Abwehr: van Buyten & Lucio vs. Andersson & Kuffour (Auch wenn man es nicht immer bemerkte, war Patrick Andersson DER Abwehrchef bei den Bayern. Kouffour hingegen fügte sich gut in die Rolle des grundsoliden Verteidigers, auch wenn er ab und an für Pannen gut war. Ich erinnere mich da an ein Spiel gegen Eintracht Frankfurt). Bei Lucio, van Buyten und auch Ismael habe ich das Gefühl, dass alle aus einem Team kommen, wo sie jeweils die Leader waren. Zu viele Köche verderben den Brei Freunde. Einer muss der Chef sein, der aber auch von allen anderen akzeptiert wird. Am ehesten traue ich das Ismael zu, wenn ich ehrlich sein soll.)
Mittelfeld: van Bommel, Schweinsteiger, Hargreaves, Demichelis vs. Effenberg, Jeremies, Salihamidzic, Scholl. (Ja, Brazzo und Scholli sind heute auch noch dabei, aber doch meist eher als Teilzeitkraft eingestellt. Damals waren sie in vollem Saft und dementsprechend wichtig für das Team. Wenn ich mir die Namen alleine ansehe, bekomme ich das Gefühl, dass ich außer van Bommel drei Kandidaten für die Wahl zum “beliebtesten Schwiegersohn des Jahres” vor mir sehe. Man muss im Fußball auch mal ein Arsch sein, um was zu gewinnen. Und daran fehlt es mir doch ein wenig bei den drei Jungs (Alleine wenn ich schon das Wort “Jungs” benutzte, sagt das doch alles!). Im Gegensatz dazu: ein Effenberg, ein Jeremies und ein Salihamidzic. Die haben mal die Klappe aufgerissen, andere Spieler mitgerissen, mal dazwischen gehauen und auch mal provoziert. Sich zu hundert Prozent mit dem Verein identifiziert. Das fehlt mir doch bei einigen. van Bommel ist sicherlich ein Guter. Er würde einen prima Jeremies-Ersatz geben, wenn vorne noch einer wie Effenberg wäre, das Spiel an sich reißen könnte.)
Sturm: Makaay, Podolski, Pizarro vs. Elber, Jancker, Sergio (Hier würde ich sogar noch am ehesten von einer Ausgegleichenheit sprechen, was die Typen angeht, wobei ich es sehr schade finde, das Makaay sich manchmal zu sehr versteckt. Ein Jancker wurde nicht umsonst Tanker genannt. Der hatte keine überragende Technik, aber war immer gut dafür einen oder zwei Gegenspieler zu binden. Und zu Elber muss man nichts mehr sagen. Der Mann war sein Geld zu hundert Prozent wert. in dessen Fußstapfen könnte ich mir Poldi gut vorstellen. Vom Typ sind bei ähnlich. Pizarro hingegen hat ja mehr Probleme mit seiner Frisur als mit allem anderen. Wie oft er sich das Bändchen in einem Spiel ins Haar knotet ist ja schon fast erschreckend. Sergio war das auch ein etwas anderer Typ, auch wenn er sich nie komplett bei den Bayern durchsetzen konnte)
Was lehrt uns all dies nun? Die Bayern müssen nachrüsten. Vor allem in der Offensive fehlen Spieler, die die Mannschaft wirklich führen können. Dieses Vakuum hat Ballack all die Jahre gut ausgefüllt, aber das Loch zu schließen fällt natürlich jetzt immens schwer. Er war diesbezüglich wahrlich außergewöhnlich, da er weder die klassische sechs noch die klassische zehn spielte, sondern sich dazwischen am wohlsten fühlte. Daher reichte er auch Leader im Mittelfeld aus. Ein van der Vaart hat durchaus das Potential das Team offensiv zu führen. Das hat er beim HSV eindrucksvoll bewiesen. Über Frings mag man denken was man will, aber in Bremen gibt er einen sehr guten Antreiber. Er war ja auch bei der WM einer der Wortführer. Und er versucht nicht für alle sympathisch sein, sondern ist, wie er ist. Vielleicht hätte er noch ein paar Jahre warten sollen mit dem Wechsel zu den Bayern, wer weiß.
Letztlich wird es jetzt natürlich schwer wirklich große Spieler an die Isar zu locken, denn mit der wahrscheinlich verpassten CL-Quali für die nächste Saison werden kaum “Kracher” zu den Bayern wechseln. Vielleicht ist das aber auch die Möglichkeit mal ein wenig aufzuräumen und einen ordentlichen Frühjahrsputz zu vollziehen. Beispiel? Roque Santa Cruz war schon 2001 beim CL-Triumph der Bayern im Kader. Und damals wie heute saß er zumeist auf der Bank. Von Eingewöhnungszeit kann da wohl dann keine Rede mehr sein.





Welt Hertha Linke




















[...] *Breitnigge analysiert den Kader. *Yalcin hat dieses Jahr echt Grund zum granteln. *Nils: Der Direktvergleich der Bayern 2001 mit den Bayern 2007. [...]
Mag ja sein das in München der Baum brennt, aber MIR brennt der Kittel :->