Ist Meyer wirklich der Richtige für Gladbach?
geschrieben von Benjamin Weissinger | in Fussball, Mönchengladbach, Trainer | am 08. 12. 2008
Für die Fans von “Kulttrainer” Hans Meyer gibt es in dieser Saison wieder viel zu lachen. Der 66-Jährige poltert wie eh und je, lässt keine Gelegenheit aus, seine Schlagfertigkeit unter Beweis zu stellen und glänzt mit unkonventionellen und ironisch-frechen Antworten auf stereotype Journalistenfragen. Kurz: Er wird seiner Rolle als Entertainer der Liga vollauf gerecht. Freilich haben die Verantwortlichen von Borussia Mönchengladbach den Trainerfuchs nicht eingestellt, damit er weiter an seinem Image als Spaßvogel arbeiten kann. So wird es nicht jedem schmecken, dass Meyers Interviews zwar wieder mal in aller Munde sind, der Aufsteiger jedoch die rote Laterne schwenkt und sich sportlich geradezu vehement um die Zweitklassigkeit bewirbt. Parallelen drängen sich auf. Schon einmal in diesem Jahr war Meyer überall beliebt, nur nicht bei seinem Arbeitgeber. Im Februar feuerte der damalige Pokalsieger 1. FC Nürnberg Hans Meyer wegen anhaltender Erfolglosigkeit.
Im Rheinland muss man sich nun fragen, ob es nicht ein Fehler gewesen sein könnte, einen Fußballlehrer zu engagieren, der sehr mit sich selbst beschäftigt ist. Wer könnte es ihm nach der Achterbahnfahrt im Frankenland auch verdenken. Der tiefe und rasante Fall vom Pokalsieger und Begründer einer vermeintlich neuen FCN-Ära zum Sündenbock kann nicht spurlos an Meyer vorübergegangen sein. Trotz aller hellsichtigen Distanziertheit, mit der er seine Glorifizierung ein Jahr zuvor belächelte, wird es der Ostdeutsche kaum verwunden haben, dass und wie man ihn absägte, da er noch wenige Stunden vor der Entscheidung gegen ihn von einem “intakten Verhältnis” zwischen ihm und der Vereinsführung sprach.
Seine daraus entstandene Verunsicherung und sein Misstrauen spürt man in Gladbach sehr deutlich. Ungewohnt scharf kritisierte er in den letzten Wochen Mannschaft und Management, betonte damit indirekt, dass er für die aktuelle Lage keinerlei Verantwortung trägt. Erklärte, er habe niemandem den Klassenerhalt versprochen und thematisierte – wenn auch im Spaß – schonmal seinen Rauswurf. Meyer will vorbereitet sein, nicht wieder kalt erwischt werden.
Keine guten Voraussetzungen für eine vertrauensvolle und produktive Zusammenarbeit mit Verein und Mannschaft, wenngleich Meyers ehrlicher Wunsch, die Fohlen vor dem Abstieg zu bewahren, über jeden Zweifel erhaben sein sollte. Doch wieviel Vertrauen und Gehör verschafft sich ein Trainer bei seinen Spielern, wenn er fast vor jedem Spiel kräftig durchrotiert – übrigens etwas, was seinem Vorgänger Jos Luhukay ganz massiv zur Last gelegt wurde – wenn er einstige Leistungsträger aussortiert und nach Niederlagen fehlende individuelle Qualität beklagt? Zwar sind diese Vorwürfe durchaus nicht aus der Luft gegriffen, doch schaut man sich an, mit welchem Kader ein Verein wie Energie Cottbus die Borussen vor heimischem Publikum bezwang, ist dies sicherlich nicht das einzige Problem.
Vermutlich wird erst die Winterpause zeigen, ob in das Verhältnis Hans Meyers mit dem Verein, den er schon einmal vier Jahre lang betreute, Ruhe und gegenseitiges Vertrauen einkehren kann. Und ob Meyer in Zukunft der Spagat zwischen medialer Selbstdarstellung und vereinsfokussiertem Arbeiten gelingt.





Breitnigge




















Die Clubfans (manche) haben aber auch nicht vergessen, wo wir herkamen und wo uns Meyer aufgabelte und wo er uns hinführte. Ist eben immer eine Frage der Betrachtungsweise. Bei einem Eilts sind es dann die schlechten Rahmenbedingungen und Vorgaben, bei einem Meyer heißt es dann von Kritikern, ihm würden nun die Ideen ausgehen und er hätte keine Lösung.
Hier mag man ihn wohl nicht, was sich am ironischen Unterton und den Seitenhieben kaum verhehlen lässt, aber wer schon mal vom designierten Absteiger zum Pokalsieger wurde, der weiß, was er an Meyer hatte.