Jogi, bleib bei deinen Leisten

geschrieben von Benjamin Weissinger | in Allgemeines, Fussball, Skandale, Trainer, Vereine | am 06. 04. 2009

Wir sind hier zwar ein – oder nein, der! – Bundesliga-Blog, aber einen kleinen Nachdreher auf die Länderspieltage kann ich mir nun doch nicht verkneifen. Vor den Länderspielen erneuerte Joachim Löw seine Kritik an der Bundesliga. Der Bundesligafußball muss schneller und technisch besser werden, ja freilich. Man fragt sich zwar manchmal, ob sich Joachim Löw neben den Topspielen der englischen und spanischen Liga auch mal Spiele anderer Tabellenregionen oder anderer europäischer Ligen anschaut, aber sei es drum. Im Prinzip hat er ja Recht, verbessern kann und soll und muss man sich immer.

Nun ist Joachim Löw Bundestrainer, und als solcher sollte er in erster Linie dafür zuständig sein, dass sich die Nationalmannschaft immer ein bisschen verbessert. Und mit ihm auch seine Kollegen aus den “U-Bereichen”, zum Beispiel der U-21. Doch weder hier noch dort bekleckert sich der DFB derzeit mit Ruhm. Wenn es bei der letzten Europameisterschaft etwas Erfreuliches gab, dann waren es Einzelaktionen der in der viel gescholtenen Bundesliga großgewordenen oder aktiven Spieler wie Philipp Lahm, Lukas Podolski, Michael Ballack und Co. Die Mannschaft selbst stagnierte damals schon, zeigte sich teilweise ungeordnet, schlaff und wenig kreativ. Diese Entwicklung hat sich fortgesetzt. Niederlagen wie die gegen England und Norwegen waren die Folge, und nun gab es in der WM-Qualifikation zwei Siege, die keinerlei Anlass geben, auf kurz- oder mittelfristige Besserung zu hoffen. Das große Ziel, in der deutschen Nationalmannschaft modernen und offensiven Spaßfußball einzuführen und damit den Schwung aus der WM mitzunehmen, ist – Stand heute – gescheitert.

Gegen die Amateure aus Liechtenstein war kaum Spielwitz oder -freude zu beobachten, gegen die B-Profis aus Wales hatte man sogar noch Glück, dass Michael Ballack einen Sonntagsschuss auspackte und dass ein Waliser eine Vorlage von Mario Gomez ins eigene Tor verwertete.Und die U-21? Ging gegen die Holländer regelrecht unter (das Spieltempo in der holländischen Ehrendivision ist übrigens nicht der Rede wert) und spielte Unentschieden gegen Weißrussland. Vor der kommenden EM, für die sich der deutsche Nachwuchs mit sagenhaftem Glück so gerade eben qualifizierte, muss einem grauen.

Vielleicht sollte sich Joachim Löw einmal mit dieser bitteren Bestandsaufnahme auseinandersetzen, anstatt den Bundesliga-Trainern, die ein ganz gutes Gespür für den Stellenwert des deutschen Fußballs haben, ständig reinzureden. Denn am Ende könnte der Verdacht aufkommen, dass Löw und auch andere aus dem DFB-Kompetenz-Team von ihrer wenig fruchtbaren Arbeit ablenken wollen. Und noch was, Joachim: Wenn nächtes Mal ein Jungspund deinen Kapitän vor Millionen von Zuschauern ohrfeigt, wäre es vielleicht angebracht, diesen öffentlich und unmissverständlich abzustrafen. Sonst könnte man meinen, du reagierst nur, wenn es um deine eigene Autorität geht.