Journalistenfragen für die Mülltonne
geschrieben von lars | in Medien | am 26. 05. 2007
Angeregt durch einen kurzen Kommentaraustausch drüben bei Björn anlässlich des DFB-Pokalfinals hier eine kleine, gerne ins Unendliche erweiterbare Liste von Fragen, die Spieler direkt nach Spielende nicht mehr beantworten sollen dürfen müssten:
“Wie fühlt es sich an?”
“Wie enttäuscht sind Sie?”
“Wie froh sind Sie?”
“Ist das der schönste Augenblick in Ihrem Leben?”
“Haben Sie vorher gedacht, dass Sie hier gewinnen würden?”
“Warum hat es heute nicht geklappt?”
“Wieso haben Sie sich gegen zehn Mann so schwer getan?”
“Wieso haben Sie denn in der 36. Minute bei dem Angriff Ihrer Mannschaft diesen Pass auf die linke Seite gespielt, wo doch die rechte Seite völlig frei war?”
Und so weiter…





Fritten, Fussball & Bier




















Ich bin nach wie vor nicht zu den Fragen durchgedrungen, ich hänge immer noch an “nicht mehr beantworten sollen dürfen müssten” …
Hi Lars. Das Problem liegt nicht an den Fragenstellern, sondern daran, dass überhaupt Interviews gemacht werden müssen. Fällt dir eine sinnvolle Frage nach einem solchen Spiel ein? Mir nicht.
Ich bin ganz Deiner Meinung. Ich weiß auch nicht, ob es wirklich irgendeinen Fußballfan interessiert, was die Spieler und Trainer nach einem Spiel so erzählen.
Und auch zum Selbstschutz sollten die Spieler es sein lassen. Was Hildebrand und noch irgendsoeine Stuttgarter Witzfigur direkt nach dem Spiel zur Schiedsrichterleistung gesagt haben, war nur peinlich; so nach dem Motto, der Cacau “hat doch nur seinen Arm ausgefahren”…
Naja er war halt total enttäuscht. Da sagt man sowas schon mal direkt nach dem Spiel. Heute wird er sicherlich wieder anders drüber denken.
Und genau das mein ich ja: Dann lieber erstmal nix sagen und einfach tief durchatmen.
Genau.
Und nun mal Butter bei die Fische:
Welche Meinungen hattet ihr zum Schalker “Presseboykott”, der sich ja nicht auf durch den Verein organisierte Konferenzen sondern lediglich auf genau solche, hier angesprochenen Frage / Antwortspielchen bezog?
Ich kann mich jedenfalls nur an Pro-Boykott-Stimmen im Schalker Forum und bei Kurtspaeter erinnern …
Ich muss ehrlich sagen, dass ich diesen Boykott zunächst etwas albern und sinnlos fand, aber trotzdem immer eine gewisse Sympathie dafür hegte. Letztendlich war es ja eher eine auf interne Probleme bezogene Aktion, oder?; also der schließlich erfolgreiche Versuch, die Mannschaft und den ganzen Verein zu einer Einheit zu machen.
Ein Problem bei der ganzen Sache ist ja dieses Schuldzuweisen, das die wahren und interessanten Dinge oft verdeckt. Die Medien sind in solchen Fällen immer erstaunlich vereint und wehren sich gegen die meist von ihnen selbst dramatisierten Vorwürfe, sie seien an allem schuld.
Ich wusste bis eben nicht, dass der Schalker Boykott sich nur auf solche albernen Interviews nach dem Spiel oder nach Trainings und so bezog; das kann ich völlig verstehen. Es ist noch nie etwas Sinnvolles aus solchen Fragen und Antworten entstanden und eigentlich sollten das alle Spieler aller Vereine sein lassen. Die meisten Profis sind nicht so souverän, dass sie nach zehn Kilometern hin und her rennen mehr als Peinliches und Irrelevantes absondern.
Wenn ich in der Bundesliga spielen müsste, würde sich das Problem übrigens ganz von selbst erledigen…ich wäre nämlich sicher fünf Tage lang nicht fähig, auch nur ja oder nein zu hauchen…
Lars, es geht dabei und Verträge und Geld. Die Interviews werden also nicht auf Wunsch der Spieler geführt.
Grad der Profifußball beweist doch tagtäglich, was Verträge wirklich wert sind. Bei Geld wiederum sieht die Sache natürlich anders aus…
Und der Schalker Boykott hat doch gezeigt, wie es gehen kann, oder nicht?
“Welche Meinungen hattet ihr zum Schalker “Presseboykott”, der sich ja nicht auf durch den Verein organisierte Konferenzen sondern lediglich auf genau solche, hier angesprochenen Frage / Antwortspielchen bezog?”
@Torsten: So ganz habe ich das nicht verstanden.
Wenn ich mich richtig erinnere hat es damals kein Interview irgendwann zu irgendeinem Zeitpunkt zu irgendeinem Thema gegeben. Offizielle Pressekonferenzen von Schalker Seite wurden von Slomka oder Müller bestritten. Spieler haben sich überhaupt nicht geäußert.
Alle die sich über den Presseboykott und die von Torsten angesprochene Diskussion informieren wollen, hier oder hier oder hier lang.
Haben die Spieler eine vertragliche Pflicht, mit der Presse zu kommunizieren? Ich habe wirklich keine Ahnung, ich habe so’n Vertrag noch nie gelesen.
Ausserdem wird es wohl nicht den Vertrag geben. Möglicherweise haben die Spieler ja nur die Verpflichtung, die vom Club (Arbeitgeber) auferlegten Termine zur Öffentlichkeitsarbeit zu wahren. Solche gab es wohl zu dieser Zeit nicht, jedenfalls hat sich der Club S04 am allerwenigsten beschwert.
Wie gesagt, Schalke 04 hat alle Pressekonferenzen weiterhin abgehalten. Ausserdem waren die Trainingseinheiten allesamt weiterhin öffentlich, wie sonst eben auch. Und nun will mit irgendein Schreiberling weißmachen, er benötigt zwingend die Phrasen von Kevin K. oder die Faxen des Gerald A., um seine pisseligen paar Pflichtzeilen abzuliefern?
Ich nehme keinem Profi-Fußballer übel wenn der blöd ist. Die Jungs haben von klein auf eher gegen den Knicker getreten als die Philosophen gelesen, von nix kommt eben nix.
Aber von den Journalisten fühlte ich mich zu dieser Zeit schon arg verarscht.
halte es da mit dem Meyer-Hans: scheißfrage!
Nach irgendeinem Spiel wollte kein Spieler ein Interview geben. Der Reporter sprach von einer versändlichen Reaktion bei der hohen Niederlage und meinte, dass sie wohl die Vertragsstrafe in kauf nehmen könnten. Das hörte sich so an als hätten die Übertragungsrechteinhaber nicht nur für das Spiel, sondern auch Exklusiv-Interviews bei der DFL gezahlt. Diese wiederrum scheint die Auflage Interviews zu geben an die Vereine weiterzugeben. Und die müssen das dann irgendwie intern regeln.
Selbst ich als Journalistin kann da nix Gutes dran finden, was die da oft so fragen. Nur muss ich leider zugeben, dass mir selber auch nichts besseres einfiele.
Ich finde fast ALLE Interviews bei Sportveranstaltungen totalen Quatsch. Hab bisher noch nie eine intelligente Frage gehört – sei es beim Ski-Springen, Radfahren (“War das eine Insulinspritze heute morgen?”), Hockey etc.
Das die Antworten dadurch nicht gut werden können ist ja wohl jedem klar…
“War das eine Insulinspritze heute morgen?” ist ja wohl eine Super-Frage! Da wäre ich mal auf eine Antwort gespannt.
Ich glaube, zusammenfassend kann man sagen, dass Journalistenfragen und Fußballerantworten einfach nicht zusammenpassen. Dass man auch auf blöde Fragen klug antworten kann, beweisen ja einige Trainer immer wieder. Und umgekehrt kann man auch als Journalist gut wegkommen bei uninspirierten und kurzen Antworten…passiert leider alles viel zu selten und deswegen sollte man es abschaffen, dieses nervende Spielchen.