Kleines Happy End
geschrieben von Benjamin Weissinger | in Fussball, Hamburger SV, Spieler, Trainer, Vereine | am 25. 05. 2009
Am Samstag, als der BVB in Gladbach das Unentschieden sicherte und sich darauf verließ, dass der HSV das Siegtor nicht hinbekommt, da war ich mir plötzlich sicher, dass Hamburg noch gewinnt. Warum? Weiß ich auch nicht. Vielleicht war es der Glaube an einen Fußballgott, der nicht immer dieselben mit Papierkugeln bewirft. Vielleicht auch der Glaube an die Moral der Mannschaft, die vom ersten Spieltag an positiv auffiel, und zuletzt ein wenig zu Unrecht in Zweifel gezogen wurde. Die UEFA-Cup-Qualifikation ist zwar ein schwacher Trost, wenn man bedenkt, was noch vor einigen Wochen möglich war, aber trotzdem ist es ein kleines Happy End für einen Verein, der zuletzt heftig einstecken musste.
Lang und aufregend war der Weg, den ein HSV-Fan diese Saison mit seiner Mannschaft gegangen ist. Und bei der Durchsicht der Ergebnisse von sage und schreibe 53 Pflichtspielen sind mir vor allem zwei Dinge aufgefallen. Der HSV spielte fast nie Unentschieden. Nur vier (und damit die wenigsten) gab es in der Bundesliga, zwei im UEFA-Cup. Und: Der HSV gewann 18 Mal mit einem Tor Abstand. Was soll man aus diesen Zahlen machen? Zeichnete sich die Elf von Martin Jol als Mannschaft aus, die immer auf Sieg spielte? Ja. Und war es eine Mannschaft, die – einmal in Führung gegangen – das Ergebnis zu verwalten verstand? Oder waren sie spielerisch einfach nicht dazu in der Lage, ihre Partien deutlicher zu gestalten? Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Schon in der Winterpause musste ich feststelllen, dass die guten Ergebnisse nicht unbedingt die Leistungsfähigkeit des Teams wiederspiegelten und dass die knappen Last-Minute-Siege der Hinrunde auch mit Glück zu tun hatten. Leider wandelten die Rothosen auch in der Rückrunde auf diesem schmalen Grat, und wo durchaus vorhandene Qualität noch nicht zu Konstanz geführt hat, hat es eben viel mit Glück oder Pech zu tun, wohin das Pendel ausschlägt, siehe auch die Rückrunden-Niederlagen in der Nachspielzeit gegen den KSC und Stuttgart.
Der Weisheit letzter Schluss ist das natürlich nicht. Es gibt noch einen anderen Unterschied zwischen Hin- und Rückrunde. Die Kraft. Es fehlte am Ende an Breite im Kader, um der Dreifachbelastung standzuhalten. Mit enormem Kraftaufwand gelangt es, im UEFA-Cup Galatasaray in Istanbul zu schlagen (das vielleicht beste Saisonspiel) und Manchester City rauszukegeln. Der Preis dafür war, ausgerechnet im Endspurt auf dem Zahnfleisch zu laufen. Es ehrt das Team und den Trainer, dass sie diesen Umstand nie als Entschuldigung gelten ließen. Und doch war es so. Mit Reservetank um drei Titel zu spielen, erwies sich als zu hohe Hürde. Ein Schlussfazit für die Saison fällt irgendwie schwer. Weit gekommen, tief gefallen. Nicht immer gut, auch nicht immer schlecht gespielt. Aber, und da bin ich mir ziemlich sicher: Viel gelernt. Sowohl Spieler als auch Trainer. Auf ein Neues in der nächsten Saison.





Pleitegeiger



















