Magath und Rangnick: Yes, they can
geschrieben von Benjamin Weissinger | in Fussball, Hoffenheim, Trainer, Vereine, VfL Wolfsburg | am 23. 03. 2009
Hätte jemand im vergangenen Sommer die Bundesligatabelle so getippt, wie sie sich derzeit präsentiert, wäre er wohl verlacht worden. Bremen, Schalke und Leverkusen im Mittelmaß, Hertha und Wolfsburg im Rennen um die Meisterschaft mit Platzhirsch FC Bayern, der Aufsteiger 1899 Hoffenheim in Lauerstellung. Vor allem der Erfolg von Wolfsburg und Hoffenheim dürfte – wenn er sich bis zum Ende der Spielzeit und darüber hinaus bestätigt – noch für viele Diskussionen sorgen.
Die einen werden die Diskussion unter dem Motto “Geld schießt eben doch Tore” als “Sieg des Geldbeutels” führen wollen. Andere werden auf den Erfolg bestimmter Konzepte hinweisen. Und wie so oft wird die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegen. Was könnte verlockender sein als ein Angebot, mit großem finanziellen Spielraum einen Verein komplett umzukrempeln oder aufzubauen. Fachliche Kompetenz und Visionärstum werden davon magisch angezogen. Hoffenheim wird in der Berichterstattung oft als “Projekt” bezeichnet. Wenn auch oft mit despektierlichem Unterton geäußert: Ja, es ist ein Projekt, und zwar ein – bisher zumindest – überaus Erfolgreiches. Und als sportlicher Vater des Erfolgs gilt nicht zu Unrecht Ralf Rangnick, der “Fußball-Professor”, der, anfangs belächelt, aus einem Dorfverein in atemberaubender Geschwindigkeit einen Herbstmeister zimmerte. Auch in Wolfsburg läuft ein Projekt. Das “Projekt Magath” mit den umfassenden Vollmachten eines Trainers und Managers in Personalunion.
Sicher, das Geld erleichtert das innovative Arbeiten, ermöglicht es teilweise erst. Deshalb ist es natürlich ein Vorteil gegenüber anderen Teams, einen potenten Sponsor (VW) oder Mäzen (Hopp) zu haben. Doch auch andere Vereine in der Bundesliga hatten oder haben Geld. Wieviel Geld vor allem im Ruhrgebiet im letzten Jahrzehnt verbraten wurde, ist allgemein bekannt. Auch andere Traditionsvereine legten ihr durchaus vorhandenes Geld schlecht an. Die Gründe scheinen vielfältig, doch gerade diese Multikausalität ist vielleicht der springende Punkt. Traditionsreiche Vereine haben traditionell viele Brandherde. So wie im Dorfverein die Ehemaligen am Spielfeldrand stehen und alles besser können, rücken bei den Bundesligariesen viele Ex-Stars ohne jede Qualifikation in einflussreiche Positionen, andere arbeiten sich aus dem oft zitierten “Umfeld” mühsam nach oben oder kaufen sich ein. Zwischen diesen Mühlsteinen sind Trainer mit klaren Konzepten oft die ärmsten Säue. Hier sind eher Diplomaten gefragt.
Dazu kommt, dass die beiden Trainer von Wolfsburg und Hoffenheim bezeichnenderweise keine “unverbrachten Jungspunde” mit frischen Ideen aus dem zeitgerechten DFB-Trainerlehrgang sind, mit denen sich diverse Bundesligisten in den letzten Jahren mit insgesamt mäßigem Erfolg schmückten. Dampfplauderer und Phrasendrescher sind Magath und Rangnick sicherlich nicht. Vielmehr haben beide einen klaren, individuellen Stil. Der Schleifer und Disziplinfanatiker hier, der Stratege und Taktikfanatiker dort. Ausgerechnet die jugendlichen und “traditionslosen” Vereine warten mit erfahrenen Trainern auf, denen jede Menge Spiel- und Entfaltungsraum geboten wird, ohne ihnen konkurrierende und vereinsinterne Meinungskonkurrenz vorzusetzen. Wolfsburg und Hoffenheim mögen von aufwändigem Scouting, perfekten Traininsbedingungen, einem großen Betreuerstab, modernen Computeranalysen, ja, großen finanziellen Möglichkeiten pofitieren. Am Ende aber könnte ihre fast reaktionär daherkommende Taktik, den Trainer zum Diktator und Meinungsmonopolisten zu machen, den eigentlichen Ausschlag geben. Wäre das nicht kurios?





Fussballvorhersage




















Kurios finde ich die famose Saison der Hertha. Mit Abstand haben sie das wenigste Geld zur Verfügung und spielen schon seit Monaten oben mit. Die Ära Favre kann man auch als “Projekt” verstehen. Langsam fängt es an Früchte zu tragen.
[...]neuen Systeme in Hoffenheim und Wolfsburg[...]
Der Rangnick und der Magath haben doch schon öfter bewiesen, das sie klasse Trainer sind. Auf Schalke ist es schwer, und bei Bayern trotz Meisterschaft und Pokal auch nicht gerade einfach. Man muss diese beiden nur lassen – der Erfolg kommt in jedem Fall. Ohne einen Rückhalt ob Geld oder nicht hat es jeder Trainer schwer. Denn Erfolge kommen nicht über Nacht.
[...] mit 2:1 besiegte. Unterm Strich überascht die aktuelle Tabelle trotzdem weiterhin. Wie Benjamin im Bundesliga Blog am 23. März schrieb überraschen vor allem Wolfsburg, Hertha und Hoffenheim. Auch Lazlokides [...]