Nationalmannschaft: Bonjour Tristesse
geschrieben von Benjamin Weissinger | in Fussball, Spieler, Trainer | am 04. 03. 2010
Das neue Länderspieljahr hat so angefangen, wie das alte aufgehört hat: Mit einer Enttäuschung vor heimischem Publikum. Während im November gegen die Elfenbeinküste noch ein schmeichelhaftes Last-Minute-Unentschieden erreicht wurde, war man den Argentiniern in München nicht nur während des Spiels, sondern auch nach Abpfiff unterlegen. Fernsehkommentator Bela Rethy hatte die Partie denn auch schon Anfang der zweiten Halbzeit abgehakt und philosophierte, dass es vor der WM 2006 die Vorbereitungsniederlage gegen Italien gewesen sei, die den nötigen Antrieb für eine recht erfolgreiche Endrunde geliefert hätte. Den Rest des Spiels sollte sich das Fernsehpublikum also darüber freuen, dass der Grottenkick – später von einigen Aktiven zu einem “von Taktik geprägten Spiel” verbrämt – auch sein Gutes haben wird. Den zahlenden Zuschauern in der Allianzarena war jedoch nicht danach. Der Auftritt der Nationalmannschaft wurde von einem immer wieder auflebenden Pfeifkonzert begleitet, ähnlich einer Light-Version der südafrikanischen Vuvuzela-Untermalung.
Aus der Nationalmannschaft ist die Luft raus, und das nicht erst seit den Streitigkeiten von Löw, Bierhoff und Co mit dem DFB. Die sichere WM-Qualifikation in einer der leichtesten Gruppen hat über vieles hinweggetäuscht: Einen Verlust der Spielkultur, eine leise Unlust aller Akteure auf dem Platz, die schon lange nicht mehr alles aus sich herausgeholt haben, schlechte Zweikampfwerte, und eine alles einlullende Langweiligkeit. Deshalb ist die Frage nicht nur, ob wir das vor einigen Jahren ausgegebene Ziel wirklich erreicht haben, uns technisch an die anderen großen Fußballnationen heranzutasten. Das Problem ist auch dies: Wenn die Nationalmannschaft nicht muss, dann will sie auch nicht. Dienst nach Vorschrift in Pflichtspielen, Nichtleistungen in den anderen. Viel war zu lesen von dem “Prestigeduell” gegen Argentinien, ein Spiel, in dem “niemand motiviert werden braucht.” Solche Aussagen bekommen nach der Leistung der Nationalmannschaft am gestrigen Abend eine völlig neue Bedeutung.
Wir sprechen hier übrigens nicht von einem einmaligen Ausrutscher: Von den letzten sieben Freundschaftsspielen haben wir nur zwei gewonnen: Gegen die Fußballgrößen VAE und Südafrika. Verloren haben wir gegen England, Norwegen und nun Argentinien. Gegen China und die Elfenbeinküste gab es Unentschieden. So bedeutungslos die reinen Ergebnisse sein mögen, so bedeutungsvoll ist die Unlust und der Unmut, der sich ob solcher Spiele zum Abgewöhnen bei den Fußballfans einstellt, was sich vor allem im letzten Jahr in halbleeren Stadien und schlechten Quoten niederschlug. In der deutschen Nationalmannschaft ist vieles nurnoch Qual und keine Lust, vor allem in Freundschaftsspielen.
Das nächste Spiel ist gegen Malta. Dort wird man auch mit halber Kraft ein akzeptables Ergebnis herausspielen können. Das Problem wird aller Voraussicht nach bleiben. Die deutschen Fußballfans müssen auf große Spiele der “Turniermannschaft” bei Endrunden hoffen und die Freundschaftsspiele irgendwie ertragen.





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