Nervenkostüme, Durchhalteparolen und Hoffnungen
geschrieben von Torsten | in Alemannia Aachen, Allgemeines, Arminia Bielefeld, Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt, Energie Cottbus, Fussball, Hamburger SV, Hertha BSC, Mainz 05, Mönchengladbach, Vereine, VfL Bochum, VfL Wolfsburg, aufreisser | am 02. 04. 2007
Der Abstiegskampf ist in dieser Saison spannend wie selten zuvor. Mit etwas bösem Willen und einem ungünstigen Verlauf der nächsten Spiele sind mal locker 11 (!) Mannschaften involviert. Den schlechesten Stand haben die Mönchengladbacher Borussen (25 Punkte), die auch gegen einen harmlosen direkten Konkurrenten nicht den erhofften Heimsieg einfahren konnten und weiterhin 5 Punkte aufzuholen haben. Nicht viel besser stehen derzeit die Namenscousinen aus Dortmund (29 Punkte) da. Die Talfahrt der letzten Wochen konnte auch Neu-Coach und Hoffnungsträger Thomas Doll bis dato nicht stoppen. Ganz im Gegenteil traten die Dortmunder in Bielefeld wie sichere Absteiger auf. Die Arminen 29 Punkte) schafften zwar mit diesem Erfolg nicht, die Abstiegsplätze zu verlassen, aber einen Schub erhofft man sich durch dieses Lebenszeichen doch.
Knapp über dem ominösen Strich finden wir mit Bochum und Mainz gleich zwei Teams, die nur einen Punkt vor der Todeszone stehen (30 Punkte). Auch die Eintracht aus Frankfurt, mit 31 Punkten auf Rang 13, ist noch nicht save. Wie oben schon angedeutet, ließ auch der Auftritt in Mönchengladbach nicht zu viel Euphorie aufkommen.
Etwas komfortabler ist die Ausgangslage für Hamburg (Platz 10, 32 Punkte), Wolfsburg (Platz 11, 32 Punkte) und Cottbus (Platz 12, 32 Punkte). Allerdings nicht so komfortabel, dass man sich zu sehr darauf ausruhen dürfte.
Auch Aachen auf Rang 9 mit 33 Zählern und – da kommt der böse Wille durch – die Hertha auf Platz 8 mit 34 Punkten sind nicht gesichert.
So viel zur Ausgangslage, 7 Spieltage vor Schluss, nach nackten, sachlichen Zahlen betrachtet. Doch wie präsentieren sich diese Kandidaten in der Endphase der Saison 2006/2007? So kurios diese Spielzeit verläuft, kann man sicher keine Prognosen abgeben. Aber jedes dieser Teams gibt ein Bild ab, von dem man einiges ablesen kann.
Hertha BSC Berlin
Den letzten Sieg gab es am 3. Februar diesen Jahres gegen den Hamburger SV (2-1). Die Mannschaft zeigt mitunter gute Ansätze, kann diese jedoch nicht in wirklich zählbare Erfolge ummünzen. Auftritte wie gegen Cottbus und in Mönchengladbach offenbarten teils eklatante Schwächen in allen Mannschaftsteilen. Dazu kommt, dass man den Eindruck gewinnt, keine wirkliche Mannschaft vorzufinden. Noch bis vor wenigen Wochen war die UEFA-Cup-Qualifikation erklärtes Ziel. Doch bei 8 Punkten Rückstand auf Platz 5 und nur 5 Punkten Vorsprung auf Platz 16 muss man eine neue Realität anerkennen. Kann Berlin diese Talfahrt nicht stoppen (1 Punkt aus sieben Spielen; mit lediglich 7 Punkten schlechtestes Rückrundenteam) wird es sicher noch einmal ganz gefährlich und eng.
Alemannia Aachen
Die Alemannia macht, alles in allem, einen recht gefestigten Eindruck. Man darf nicht vergessen, dass es sich hier um einen Aufsteiger handelt, der vor der Saison eh schon als Abstiegskandidat gehandelt wurde. Dafür ziehen sie sich achtbar aus der Affäre. Vor der 1-3 Niederlage in Stuttgart sammelte man drei Siege in Serie gegen direkte Konkurrenten. Am kommenden Spieltag kann man die Distanz zu einem weiteren “Mitstreiter” vergrößern. Ein Heimsieg gegen die Borussia aus Dortmund wäre schon so etwas wie die halbe Miete.
Hamburger SV
Seit der Niederlage in Berlin Anfang Februar blieben die Hanseaten unbezwungen. Doch der Ballast der hundsmiserablen Hinserie wiegt so schwer, dass selbst nach solch einer Serie die Rettung noch nicht gesichert ist. Auch der große HSV kann tatsächlich noch absteigen. Allerdings, das muss man gestehen, haben sich die Hamburger spielerisch und kämpferisch um 100% gesteigert, wenn man die Hinrunde zugrunde legt. Mit einem gesunden Rafael van der Vaart wird wohl nicht mehr allzu viel passieren. Huub Stevens hat es geschafft, der Mannschaft wieder Stärke und Geduld zu vermitteln. So gewinnt man dann auch die schwierigen Partien wie am letzten Wochenende gegen Wolfsburg und mausert sich zum derzeit besten Rückrundenteam.
VfL Wolfsburg
Wirklich souverän waren die Wölfe zu keiner Zeit dieser Saison. Nach der Hinrunde rangierte man auf Platz 12 (19 Punkte), derzeit belegt man in der Rückrundentabelle Rang 12 mit 13 Punkten. Ligadurchschnitt. Auch wenn man immer wieder mal passable bis gute Spiele abliefert, so fehlt doch die Serie, die Beständigkeit, die Durchschlagskraft. Teilweise präsentiert man sich so erschreckend harmlos, dass man fast nicht glauben kann, dass sie jemals wieder ein Tor schießen. Und doch – das ist ihr großes Plus – fahren sie immer wieder Punkte ein und werden somit die Klasse auch halten können.
Energie Cottbus
Als Absteiger Nummer Eins in die Saison gestartet, war allen in der Lausitz klar, um was es in dieser Spielzeit gehen wird. Komischerweise ist genau dies eingetroffen. Doch die Cottbuser wehren sich nach Leibeskräften. Sie spielen selten schönen Fußball, stehen oft sehr defensiv, aber sie kämpfen bis zum Umfallen und belohnen sich so dann und wann mit mehr oder weniger großen Erfolgserlebnissen. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen (3€ ins Phrasenschwein), aber so wird man über den sprichwörtlichen Winter kommen.
Eintracht Frankfurt
Ganz schlecht kamen die Hessen aus der Winterpause. Bis zum 3. März dauerte es, bis man den ersten Sieg der Rückrunde verbuchen konnte (2-0 gegen Hannover). Vielleicht ausschlaggebend dafür der Pokalsieg gegen den Lokalrivalen aus Offenbach. Denn nun startete man eine kleine Serie von vier Spielen ohne Niederlage. Allerdings vergab man den möglichen Sieg in Nürnberg ebenso leichtfertig wie zuletzt in Gladbach, weil man aufhörte, Fußball zu spielen. Und den Sieg gegen die Bayern muss man weniger der spielerischen Kunst als vielmehr der destruktiven Spielweise der Eintracht zugute schreiben. Nach beeindruckender Saison 2005/2006 und einer passablen Hinrunde ist man mittlerweile wieder ein Wackelkandidat. Das spielerische Element will einfach nicht zurück gefunden werden und nur mit Torverhinderung wird es sehr, sehr schwer.
VfL Bochum
Der Aufsteiger hat mit Misimovic und Gekas zwei Trumpfkarten in der Hand, die gerade in der Rückrunde immer wieder mal stechen. Obendrein setzte man mit der Vertragsvelängerung für Trainer Marcel Koller ein unmissverständliches Zeichen in alle Richtungen. Kein Alibi für die Spieler, Zusammenhalt auch in schwierigen Zeiten etc. Und eben diese schweren Zeiten könnten dem Revierklub ins Haus stehen, denn das Restprogramm hat es in sich. Aber, das haben wir ja bereits festgehalten, in dieser Spielzeit ist alles möglich und dem VfL traut man irgendwie immer alles zu. Sieg, Unentschieden oder Niederlage – irgendwas triffts schon. Wahrscheinlich wird man sich über die Zeit retten können, auch wenn es sehr eng wird.
Mainz 05
Nach der Hinrunde standen die Rheinhessen abgeschlagen auf dem letzten Platz der Tabelle (11 Punkte). Mit einem fulminanten Rückrundenbeginn startete man die angekündigte – und zunächst belächelte – Aufholjagd. Noch immer sind die Mainzer mit 19 Punkten stärkste Rückrundenkraft (mit dem HSV). Und doch schwebt weiterhin das Damoklesschwert des Abstiegs über dem Bruchwegstadion. Außerdem steht dem FSV ein Restprogramm ins Haus, das es in sich hat (z.B. noch Spiele gegen drei der ersten vier!). Auch wenn man den Mainzern wieder Woche für Woche Großes zutraut, es wird ein Kampf bis zum letzten Spieltag, der im ungünstigsten Falle doch noch mit dem Abstieg verloren wird.
Arminia Bielefeld
Die Arminia ist sicher ein Kandidat für den Abstieg. Noch vor einem halben Jahr konnte man dies nicht vermuten. Mit Kampf und Spielwitz schloss man als Achter die Hinrunde ab. Doch dann kam der bittere Absturz. In der Rückrunde reichte es bisher nur zu 7 Punkten und alles das, was den DSC vorher auszeichnete, fehlt nun gänzlich. Unter Ernst Middendorp ist, gerade nach dem Heimsieg gegen Dortmund, von Aufwärtstrend die Rede. Doch gegen einen solch schwachen Gegner zu gewinnen, lässt nur wenige Rückschlüsse auf das wirkliche Leistungsvermögen der Mannschaft zu. Dazu kommt ein Restprogramm, in dem man auch nicht einfach durch spazieren kann, wie die heiße Klinge durch die Butter. Die Ostwestfalen werden es sicher sehr schwer haben, letztlich die Klasse zu halten.
Borussia Dortmund
Der Meister von 2002 (!) und Champions-League-Sieger 1997 steht auf der Schwelle zur Zweitklassigkeit. Nach der Hinrunde (Platz 9 mit 22 Punkten) sprach man von einer verkorksten Saison, wollte man doch den UEFA-Cup-Platz erreichen. So trennte man sich auf etwas unschöne Art und Weise von Trainer Bert van Marwijk und fuhr damit den Karren nur noch tiefer in den Dreck. Was in der Rückrunde mit einem Heimsieg gegen Bayern begann, mündet nun in blanker Abstiegsangst. Und die herrscht vollkommen zurecht. Seit Wochen steht dort eine Mannschaft auf dem Platz, die den Namen in keinster Weise verdient. Doch auch die Führungsriege um Hans-Joachim Watzke offenbart immer größere Defizite, die sich auch im derzeitigen Tabellenbild wiederspiegeln.
Ich lehne mich einfach mal ganz weit aus dem Fenster und prophezeie der Dortmunder Borussia den Abstieg. Helfen könnte nach derzeitigem Stand der Dinge eh nur noch ein mittelgroßes Wunder. Jedenfalls liegen in Dortmund die Nerven blank. Nur so erklärt sich der Rauswurf von Spielern wie Kringe und Ricken, die sportlich einfach nicht zu begründen sind.
Borussia Mönchengladbach
Viel, viel größer muss das Wunder ausfallen, das Borussia Mönchengladbach retten könnte. Natürlich besteht noch die Möglichkeit, die Klasse zu halten (als Fan muss ich das wohl auch sagen), aber die Realität sieht ziemlich schwarz aus.
Die Quittung für die Verfehlungen und personellen Fehlentscheidungen der letzten Jahre ist eine bittere, sollte am Ende der Abstieg stehen. Der Versuch der Konsolidierung mit Jos Luhukay als Cheftrainer und Christian Ziege als Sportdirektor ist ein guter, kommt aber wahrscheinlich zu spät (hiermit auch ein Querverweis auf die aktuelle LigaShow: nein, es war nicht falsch, Luhukay eine Verlängerung des Vertrages zu geben!).
Eine winzige Hoffnung besteht im neuen Zusammenhalt, der im Umfeld und im Verein zu beobachten ist. Vielleicht hilft es, der Mannschaft noch ein bisschen Stabilität zu geben, so dass Luhukays Maßnahmen noch besser greifen können. Doch alles, was derzeit in und um Mönchengladbach an Hoffnung verbreitet wird, sind nicht viel mehr als blanke Durchhalteparolen. Die Planungen für die neue Saison laufen und man konzentriert sich schon auf den worst case Abstieg und Zweitklassigkeit.
Wer letzten Endes den Gang in die zweite Bundesliga antreten muss, wird auf dem Platz entschieden – und das ist gut so. Aber, wie vorher beschrieben, tun sich doch einige Teams erstaunlich hervor und qualifizieren sich durch ihr Auftreten als ganz heiße Kandidaten. Wir dürfen weiterhin gespannt sein und vielleicht schon das ein oder andere Taschentuch bereit legen.





Mainz05 Fanblog




















Ich glaub, es werden drei Westvereine machen und mittlerweile weiß ich nicht, ob nicht der BVB statt den Bochumern die Reise antreten wird. Die Situation dort ist wirklich ganz bitter (und selbst verursacht!!!) und einen eigenen Eintrag wert. Naja, vielleicht morgen…
Ich glaube, das es Gladbach sicher erwischen wird, dazu kommt nach der aktuellen Form geurteilt die “befreundete” Mannschaft aus Lüdenscheid und als dritte Mannschaft tippe ich auf Bielefeld oder Cottbus.
Markus wird das gefallen, dann ist Bochum nächstes Jahr sicher zweitbeste Ruhrgebietsmannschaft… )da der MSV nicht aufsteigt)
ein bischen ein älterer thread, dennoch interessant.
es wird ein kampf bis zuletzt wobei ich keine prognose hier abgeben möchte. außer gladbach, die es höchstwahrscheinlich trifft, ist ja alles noch offen und ich bin heilfroh das mein verein endlich mal nicht dabei ist. ich find’s geil! spannung pur dieses jahr! vierkampf um die spitze, zweikampf um den internationalen rang und einen 12- kampf um den abstieg! *ufz*
Mittlerweile hab ich auch gänzlich die Hoffnung verloren, dass es meine Borussia noch schafft. Also wieder mal in die 2. Liga. Grauenhaft… Aber verdient ist es dann schon…