Projekt Klinsmann gescheitert
geschrieben von Benjamin Weissinger | in FC Bayern München, Fussball, Spieler, Trainer, Vereine, VfL Wolfsburg | am 20. 04. 2009
Wenn Trainer anfangen, über Erfolge zu reden, während alle um sie herum die Wunden bitterer Niederlagen und Enttäuschungen lecken, wird deutlich, dass diese Trainer längst ausserhalb des Vereins stehen. Dass sie sich in einer Phase der Selbstverteidigung befinden, die bereits in Selbsttäuschung übergegangen ist. Dass Jürgen Klinsmann meint, alle Ziele erreicht zu haben – und das ausgerechnet nach zwei der bittersten Niederlagen des deutschen Rekordmeisters in seiner jüngeren Geschichte – könnte peinlicher und irrationaler kaum sein. Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge geben sich schmallippig und wortkarg, noch darf der Schwabe die Geschicke der Bayern lenken. Doch wie lange noch? Nicht mehr lange.
Klinsmann hat kein einziges seiner Ziele erreicht. Zum Beispiel modernen Fußball in München zu etablieren, jeden Spieler ein bisschen besser zu machen, Hochleistungsatmosphäre zu schaffen. Alles leere Phrasen. In den rund zehn Monaten als Cheftrainer hat Jürgen Klinsmann einen Verein, den Ottmar Hitzfeld ihm als deutschen Meister und Pokalsieger übergab, regelrecht heruntergewirtschaftet. Spielerleistungen stagnierten gleich reihenweise oder wurden schlechter. Physisch und von der Motivation her lieferten die Bayern vor allem in den letzten Wochen teilweise katastrophale Leistungen ab. Spielerische Klasse ging oft nur von einzelnen Akteuren wie Franck Ribery oder Ze Roberto aus. Das “System Klinsmann” beschränkte sich auf hanebüchene, taktische Fehlleistungen wie den Versuch, eine Dreierkette zu etablieren, um dann – vermutlich auf Druck der Vereinsführung – wieder das System Hitzfeld spielen zu lassen. Welche Rolle Klinsmanns Assistent Martin Vasquez in Sachen Taktik und Personal spielt, ist nicht überliefert. Der Mexikaner mit US-Pass, der vor Amtsantritt über keinerlei Erfahrung bezüglich europäischen Fußballs verfügte, hinderte Klinsmann jedenfalls nicht daran, Landon Donovan nach München zu locken, wo er nach allen Regeln der Kunst floppte und wieder nach Hause geschickt wurde.
Bei der Einschätzung der Arbeit des immer noch sehr beliebten ehemaligen Bundestrainers und WM-Helden trennt sich derweil die Spreu vom Weizen. Während Günter Netzer kein Blatt vor den Mund nimmt und Klinsmann Arroganz, Selbstüberschätzung und Realitätsverlust bescheinigt, wäre die Sportstudio-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein entsetzt, wenn Klinsmann entlassen würde, und empfiehlt den Bayern stattdessen, dem 44-Jährigen mehr Zeit zu geben und ihren Anspruch runterzuschrauben, womit sie ein weiteres Mal ihre Inkompetenz in Bezug auf Fußball zur Schau stellt. Es gibt nicht nur neue und alte, kurze und lange Wege, es gibt auch richtige und falsche. Der FC Bayern ist auf dem falschen Weg, das ist offensichtlich. Hoeneß, Rummenigge und Co. wird das nicht entgangen sein. Somit halte ich es für ausgeschlossen, dass Klinsmann über das Saisonende hinaus Trainer beim Rekordmeister bleiben wird.





Stefans Blick von der Südtribüne




















Mich beschäftigen nach der Lektüre dieses Beitrages drei Fragen:
1. Ist der Autor Angestellter der BILD-Zeitung (so viele Links auf das Springer-Blatt habe ich schon länger nicht mehr in einem Blogpost gesehen)?
2. Ist der Autor ein wenig jünger und erlebt die erste Bayern-Krise? Wieso verklärt er ferner die Hitzfeld-Ära, in der wir als Fans spielerisch nicht wenig leiden mussten
3. Wo ist die Satire-Kenzeichnung in diesem Beitrag?
Allein, mir fehlen die Antworten…
1. Nein, reiner Zufall
2. Nein. Außerdem, wo verkläre ich die Hitzfeld-Ära. Ich stelle fest, dass Bayern unter Hitzfeld reichlich Titel gesammelt hat und dass der FC Bayern unter Klinsmann nach anfänglichen, misslungenen Versuchen wieder 4-4-2 spielt.
3. Ich bin kein Bayernfreund, im Gegenteil. Eigentlich sollte ich froh sein, dass Klinsmann noch Trainer ist und hoffen, dass er bleibt. Satire wäre gewesen, wenn ich so getan hätte, als hätte der FC Bayern seine Ziele tatsächlich erreicht.
Breitnigge ist hier die Satire.