Schwarz-gelber Klopptimismus

geschrieben von Benjamin Weissinger | in Borussia Dortmund, Fussball, Trainer, Vereine | am 11. 07. 2008

Als Jürgen Klopp sich vor einigen Tagen den EM-Bart abrasierte (der nicht ganz so imposant daherkam wie der von Metzelder), taufte die Bild-Zeitung ihn kurzerhand “Babypopo-Kloppo.” Ich kann mir vorstellen, dass der 41 Jahre alte Chefcoach von Borussia Dortmund beim Lesen dieser Schlagzeile seinen Spaß hatte. Es gibt nur wenige Trainer, die das Spiel mit den Medien so geschickt beherrschen wie “Kloppo.” Nie beleidigt, aber auch nie beleidigend, immer eine schlagfertige Antwort oder ein Konter auf der Zunge, wickelt er schon seit Jahren die Journalistenschar, aber auch die Fans spielend um seinen Finger.

Wo gute Laune herrscht, blickt man frohen Mutes in die Zukunft. Und so kommt es, dass beim schwarz-gelben Ruhrpottclub mal wieder Aufbruchstimmung herrscht. Ein Wort, welches in Dortmund vor allem nach der letzten Saisonvorbereitung – und dem was folgte – eigentlich einen faden Beigeschmack haben müsste. Auch unter Klopps Vorgänger Thomas Doll gab es diese Aufbruchstimmung. Sein jugendlicher Schwung und seine anfängliche Beliebtheit ließ viele Befürchtungen, das Team sei insbesondere in der Defensive schlecht aufgestellt, in den Hintergrund rücken. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke musste in einem 11-Freunde-Interview gar aufpassen, dass er ob der Arbeit von Thomas Doll nicht ins Schwärmen geriet.

Bei allen zweifellos vorhandenen Unterschieden zwischen Jürgen Klopp und Thomas Doll ist die Parallele einer eher emotionalen und “gefühlten”, weniger sachlich begründeten Aufbruchstimmung nicht zu leugnen. Schaut man sich die Mannschaft an, die sich derzeit in Donaueschingen im Trainingslager befindet, so muss man feststellen, dass der angestrebte Umbruch weitestgehend ausgeblieben ist. Gehen musste bisher lediglich die beiden Innenverteidiger Christian Wörns und Martin Amedick sowie Philipp Degen.

Die Neuzugänge waren zwar teuer, lesen sich jedoch enttäuschend. Mit Neven Subotic und Brasilianer Santana holte man für stolze sechs Millionen Euro zwei junge Abwehrtalente, nachdem Manager Michael Zorc die monatelange Suche nach einem gestandenen Innenverteidiger ergebnislos beendete. Die Verpflichtung von Außenverteidiger Patrick Owomoyela (2,5 Millionen), der in den letzten zwei Spielzeiten ganze drei Partien über 90 Minuten absolvierte, sorgte für reichlich Stirnrunzeln. Ob das eklatante Abwehrproblem der Borussen aus der letzten Saison nachhaltig behoben ist, darf zumindest bezweifelt werden. Einzig Tamas Hajnal (1,25 Millionen) könnte sich als günstiger Glücksgriff für die Belebung der Kreativität im Mittelfeld erweisen, während ein echter Regisseur weiter schmerzlich vermisst wird.

Angesichts des weiter ungebremsten Wettrüstens der Bundesligisten wird es für Borussia Dortmund nicht einfach, der Aufbruchstimmung der Fans, die sich bis zum Saisonstart vermutlich noch bis zur Euphorie hochschrauben wird, gerecht zu werden. Der “Klopptimismus”, den Klopp gewollt oder ungewollt verbreitet, könnte dann sein größtes Problem werden.