Über ein ungutes Gefühl

geschrieben von Benjamin Weissinger | in Borussia Dortmund, Fussball, Spieler, Vereine | am 05. 03. 2008

Es ist jetzt genau drei Jahre her, dass die Anteilseigner des Immobilienfonds “Molsiris” dem BVB das Leben schenkten, indem sie einem Stundungs- und Sanierungskonzept des damals praktisch zahlungsunfähigen Vereins zustimmten. Die Gründe für die existenziellen Finanznöte des Meisters von 2002 waren vielfältig. Der rote Faden war jedoch eine fatale Selbstüberschätzung, sowohl sportlicher als auch wirtschaftlicher Natur.

Wieviel von dieser gefährlichen Selbstüberschätzung hat den Beinahe-Crash des Vereins überlebt? Das ist die bange Frage, die ich mir dieser Tage immer wieder stelle. Der Vertragsverlängerung mit Sebastian Kehl (Verdienst: 3 Millionen Euro im Jahr) folgte der Halbjahresbericht, der eine Verschlechterung des Vorjahresergebnisses um 13,9 Millionen Euro und einen Fehlbetrag von 5,9 Millionen Euro auswies.

Es stimmt zwar, dass ein Fußballverein, der einen immernoch gigantischen Schuldenberg zu tilgen hat, nicht nur sparen kann, sondern auch reinvestieren muss. Wie aber passt es zusammen, dass sich Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke vor einigen Monaten im DSF-Talk “Doppelpass” darüber ärgerte, dass Borussia Dortmund von einem der Anwesenden als “klammer Verein” bezeichnet wurde, wenn der BVB tatsächlich wieder rote Zahlen schreibt? Es passt garnicht zusammen.

Bedenklich ist auch, dass Herr Watzke die im Winter getätigten, nötigsten Verstärkungen zunächst als “Vorgriff” auf die kommende Saison verstanden wissen wollte. Nun aber sollen Thomas Doll laut Sportbild von der Vereinsführung plötzlich Mittel für “3 Topleute” (inkl. deren Gehältern) zugesichert worden sein. Wird hier wirklich mit verfügbarem Geld geplant, oder wieder spekuliert?

Mir persönlich kommt das bereitwillige Öffnen des Portemonaies für zahlreiche Neuzugänge – die obendrein noch eher schlecht als recht einschlagen – wie ein trotziges “wir sind wieder wer” und nicht wie ein Teil eines stimmigen Sanierungskonzeptes vor. Besonders die geplante, aber glücklicherweise geplatzte Verpflichtung von Jens Lehmann, dem der BVB für ein halbes Jahr über eine Million Euro in die Tasche gesteckt hätte, verdeutlichte, wie die Verantwortlichen ticken. Hier zählte vor allem der Name, der dem Verein Renomee zurückgegeben hätte, so hoffte man zumindest.

Der Verdacht liegt nahe, dass ein Fehler wiederholt wird, den man eigentlich nie mehr begehen wollte. Nur wenige machen im Dortmunder Umfeld einen Hehl daraus, dass man sich nach dem verhältnismäßig leichten Halbfinal-Los gegen Carl-Zeiss Jena schon so gut wie im UEFA-Cup wähnt. Und sollte es so kommen, was wäre die Folge?

Ich fürchte, man würde angesichts des bestenfalls mäßigen Abschneidens in der Bundesliga (aktuell Platz 13) und den offensichtlichen, qualitativen Lücken im Kader (insbesondere in der Abwehr) wieder mit Geld planen, was man noch nicht hat, um sich mit breiter Brust für seine Rückkehr aufs internationale Parkett zu rüsten. Aber was bedeutet schon der Einzug in den UEFA-Cup, wenn man einen starken Gegner oder schlechten Tag erwischt und die Gruppenphase verpasst?

Bei aller berechtigten Freude über das gute Abschneiden im DFB-Pokal sollte die Vereinsführung sich an den Tag vor knapp drei Jahren erinnern, als man fast zu Grunde gegangen wäre, weil man Siege und Gewinne einplante, die noch in weiter Ferne lagen.