Vereinslose und arbeitslose Fussball-Profis
geschrieben von Markus | in Spieler, aufreisser | am 30. 08. 2005
Laut der Spielergewerkschaft der Vertragsfußballspieler e.V. (VdV) sollte man sie wohl eher vereinslose Fussballprofis nennen. Dies sind Spieler, die entweder ihre aktive Laufbahn hinter sich haben, oder aber einfach zur Zeit keinen Vertrag mit einem Fussballverein haben. Ich schmeisse diese beiden Gruppen jetzt bewusst zusammen, wenngleich es da natürlich einen feinen Unterschied gibt: für die einen ist es definitiv vorbei, die anderen können noch, sie werden aber nicht angestellt.
Gut finde ich an Fredi Bobics Kolumne im 11Freunde Magazin, dass er auch darauf hinweist, dass nicht alle Profifussballer gleich Millionäre sind. Fussballprofi ist nicht nur der, der in der ersten Bundesliga spielt. Profi ist man schon, wenn man Fussball als seinen Beruf hat, also von einem Verein (sprich Arbeitgeber) für das Fussballspielen bezahlt wird.
Das Profis sich dann ihr zustehendes Arbeitslosengeld abholen ist also vollkommen berechtigt, sofern sie auch wirklich Arbeitssuchende sind. Wenn aber einer dieser Fussballmillionäre noch sein Arbeitslosengeld holen will, weil es ihm halt zusteht, dann kann ich das nicht direkt verstehen.
Nun aber zu den Möglichkeiten, die sich einem vereinslosen Profi anbieten.
Angenommen, der Spieler kann noch spielen:
Fussballcamp für vereinslose Fussballprofis
In einem durch die VdV organisierten Camp werden die vereinslosen Profis durch ein professionelles Training fit gehalten, um auch nach der Transferphase von einem Club angeworben zu werden. Dieses Camp findet in der Fussballschule von Ingo Anderbrügge, einem ehemaligen Bundesliga-Profi, statt. Dort bekommen die vereinslosen Profifussballer ein kostenfreies Training, sowohl körperlich als auch geistig um den Anschluss an die Bundesliga nicht zu verlieren. In dieser Sportschule veranstalten wir (meine kleine Kreisliga-A Mannschaft) schon seit 3 Jahren ein Wintertrainingslager und sind damit recht zufrieden.
Beratung für vereinslose Spieler und Spielerberater
Die VdV bietet ihren Mitgliedern auch weitere Schulungen im zwischenmenschlichen Bereich, wie auch Pressearbeit, an, um die vereinslosen Spieler nicht nur körperlich fit zu halten, sondern auch vor den Kameras eine gute Figur abzugeben. Aber auch die Spielerberater werden geschult, um den Spielern optimal zur Seite zu stehen um einen neuen Verein für den Spieler zu suchen.
Vereinslose Profis ohne Möglichkeit wieder aktiv zu spielen, sind arbeitslose Profis.
Aber auch ihnen kann und wird geholfen:
Anstellung bei einem Sponsor
Oft gelebt und gerne genutzt ist die Unterbringung in einer Firmenmannschaft, die für Werbezwecke oder einen guten Zweck gegen andere All-Stars antreten. Dafür bekommen die altgedienten Profis ein ordentliches Gehalt und dürfen auch noch Fussball spielen. Da ein bisschen Kicken nicht reicht, um eine Anstellung zu rechtfertigen, werden die ehemaligen Profis in den verschiedensten Anstellungen wiedergefunden. Während sich eine PR-Abteilung natürlich anbietet, werden einige, aufgrund einer Ausbildung qualifizierte, in einen “echten” Job gesteckt.
Anstellung im alten Verein
Arbeitslose Fussballprofis kommen häufig zu der Ehre, ihrem Verein weiter dienen zu dürfen, entweder als Trainer, Manager oder in einer PR-Position. Leider kann ein Verein nicht nur aus wohltätigen Gründen Stellen besetzen, daher muss an die ein oder andere Stelle auch mal qualifiziertes Personal. Aber was spricht denn dagegen, mich nach einer Profi-Laufbahn noch mal weiterzubilden, viele Studenten fangen ja erst mit Ü-30 an zu arbeiten…
Arbeitslosenunterstützung
Ja, auch die Bundesliga-Profis zahlen in Sozialversicherungen ein. Warum sollen sie nicht auch daraus profitieren. Damit meine ich natürlich keine Fussballmillionäre, aber es soll ja tatsächlich Spieler geben, die nicht wesentlich mehr als der Otto-Normal-Verbraucher verdienen. Deshalb darf sich ein arbeitslose Profi ruhig zur Angentur für Arbeit begeben um dort eine neue Anstellung zu suchen und evtl. die damit verbundenen Hilfen wie Umschulung oder Gelder in Anspruch nehmen. Einem Ex-Profi wird es genauso schwer fallen, Arbeitslosenhilfe zu beantragen, wie jedem anderen auch. Daher sollte nicht blind mit dem Finger auf ihn gezeigt werden, da man nicht weiß, ob er es nicht auch wirklich nötig hat, es ist schließlich sein gutes Recht. Auch Fredi Bobic hat das Recht die Pflicht, sich arbeitslos zu melden. Schon alleine, um eine neue Anstellung mit Hilfe der Agentur für Arbeit zu finden. Und wie er es selbst schreibt, es ist ein beschissenes Gefühl.
Wenn ein Ex-Profi wirklich mal ein Star war, wird er es nicht schwierig haben, einen neuen Job zu bekommen, allein der Name/das Gesicht werden dabei schon helfen. Probleme haben aber vor allem diejenigen, die knapp an einer richtigen Karriere scheiterten. Also Talent haben, aber trotzdem nicht gut genug sind, um einen Vertrag bei einem der grossen Vereine zu bekommen. Wohl dem, der auf seine Mama gehört hat und seine Schule/Studium/Ausbildung noch beendet hat und nicht mit 16 schon von der Schule ging um sein Glück auf den Rasen zu suchen. Denn auch als Ex-Profi muss man schon was bieten können, um vom Arbeitgeber angenommen zu werden, sei es PR oder echte Arbeitsfähigkeit.
Wer mich fragt, ob er lieber einen “normalen” Arbeitslosen einstellen soll, oder einen arbeitslosen Fussballprofi, dem kann ich nur sagen “Wer passt denn besser zu der freien Stelle?”
Ein Fussballprofi darf nicht allein durch seine Vergangenheit bevorzugt werden. Auch sie sollen die Rechte und Pflichten eines Arbeitslosen tragen und damit leben. Aber wenn ein vereinsloser Profi sich weiterbildet, evtl. sogar umschult, warum sollte man ihm dan nicht den Job anbieten, wenn er dafür ebenso qualifiziert ist wie ein anderer?
Update:Nun hat auch Fussball24 das Thema aufgenommen Etwas mehr Hintergrund zum Thema Bobic





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[...] England könnt Böhme nochmal entgegenkommen, wenn er es schafft wieder körperlich topfit zu sein. Seine Spielweise passt auf die Insel und zimperlich ist er ja nun auch nicht gerade. Allerdings wird Böhme langsam, aber sicher, alt. Wenn er es jetzt nicht schafft, dann gehört er vieleicht auch bald zu den vereinslosen Fussballprofis. [...]
[...] Ich finde es ja wirklich gut, dass sich auch die Bundesligavereine ihrer Verantwortung auch im Berufsleben bewusst sind. Jede Arbeits- oder Lehrstelle zählt, aber was ist mit den wirklich kleinen Betrieben, wo sich der Meister einiges vom eigenen Munde spart, um damit eine weitere Lehrstelle zu ermöglichen? Ich bin mir nicht sicher, wieviele Stellen in der Bundesliga geschaffen wurden, aber der DGB ruft ja nicht umsonst zu mehr Lehrstellen auf. [...]
[...] Borussia Mönchengladbach hat den Vertrag mit Ex-Kapitän Jeff Strasser mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Jeff Strasser hatte eigentlich noch einen Vertrag für das kommende Jahr, der neue Trainer Jupp Heynckes plant jedoch nicht mehr mit ihm. Dummerweise kam bisher jedoch ein Transfer zustande und Jeff Strasser ist somit jetzt ein vereinsloser Fussballprofi und nun auf dem freien Arbeitsmarkt zu finden. Bisher keine Kommentare [...]
Wie krass, daran hab ich ja noch gar nicht so richtig gedacht, das vereinlose Fussballer ja durchaus als Arbeitslos gelten und (im Falle der Nicht-Millionre) auch ihr ALGeld beziehen drfen/mssen…
Wie es wohl dem Niclas Weiland und dem Claudius Weber ergeht…