Wann bläst der Schiri Zupfenstreich?
geschrieben von Benjamin Weissinger | in Eintracht Frankfurt, Fussball, Vereine, VfL Wolfsburg | am 01. 09. 2008
Das Thema Trikots ist für die Schiedsrichter nicht das Beste. Nicht, weil die wohl sinnloseste Regel des Fußballs mit Trikots zu tun hat: Nämlich die gelbe Karte dafür zu zeigen, es beim Jubeln auszuziehen. Nein, es geht ums Trikotzupfen im Strafraum. Wie so oft haben sich die Schiedsrichter zu Saisonbeginn vorgenommen, bestimmte Sachen strenger zu ahnden als bisher. Selten aber hat man sich an ein so heisses Eisen herangewagt. Denn Elfmeter entscheiden Spiele. Und das Zerren am Gegenspieler im Strafraum ist weit verbreitet.
Im ersten Saisonspiel zwischen dem FC Bayern und dem HSV gabs dann auch gleich zwei Elfmeter, für jede Mannschaft einen. Beide Male fürs Trikotzupfen. Ein guter Einstand, denn so konnte sich keine Seite benachteiligt fühlen. Uli Hoeness schwärmte gar von der neuen Richtlinie und forderte, ruhig mal 7-8 Elfmeter pro Spiel zu pfeifen, bis es die Spieler gelernt haben.
Es kam jedoch erwartungsgemäß anders. Dutzendfach wurde Ziehen und Zerren wie schon in den vergangenen Jahren übersehen oder nicht geahndet, und wenn es dann doch mal eine Mannschaft traf, so war meist der (berechtigte) Vorwurf der Benachteiligung nicht weit. Das Spiel VfL Wolfsburg gegen Eintracht Frankfurt vom Wochenende ist ein schönes Beispiel dafür. Der Kicker nennt es Elfmeter-Lotterie, was Marc Seemann auf dem Platz veranstaltete.
Ich mache Seemann aber letztendlich keinen Vorwurf. Die Vorstellung, jede (Textil-)Berührung abzupfeifen, ist meines Erachtens absurd. Kein Schiedsrichter kann alle Zupfer im Laufe eines Spiel sehen. Das ist auch garnicht nötig. Der beste Maßstab ist eben immernoch, ob der Angreifende gut sichtbar an einer Bewegung gehindert wird oder nicht, und nicht, ob eine reine Berührung stattfindet. Natürlich gibt es da Grenzwerte, die einer subjektiven Bewertung des Schiedsrichters bedürfen. Aber besser ein eingegrenzter Ermessensspielraum, als ein Freifahrtschein zur Willkür. Dank der neuen “harten Regelauslegung” kann selbst eine Lappalie zum Pfiff führen, wenn dem Schiedsrichter gerade danach ist. Er kann sich jederzeit auf die Regel berufen und parallel dazu lauter ähnliche Szenen laufen lassen, weil sie ihm zu banal vorkommen. Und genauso läuft es in der Realität ab.
Man kann nur hoffen, dass der Schiedsrichterbund einsieht, dass das Konzept an der praktischen Umsetzung scheitert und diese schlechte Idee nach und nach aus den Köpfen der Schiedsrichter verschwindet.





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