Wird Werder wieder?
geschrieben von Benjamin Weissinger | in Fussball, Spieler, Trainer, Vereine, Werder Bremen | am 14. 01. 2009
Wohl dem, der eine Winterpause hat. Während in diversen europäischen Ligen der Ball kaum zur Ruhe kommt, lässt die Bundesliga in aller Ruhe Schnee übers Gras wachsen. Es ist Zeit für Besinnung, ausgiebige Analysen und natürlich gute Vorsätze. Kaum einer dürfte dabei mehr Wunden geleckt haben als der grün-weiße Patient aus Bremen. Thomas Schaaf, der auf sein zehnjähriges (!) Dienstjubiläum zusteuert, hat den Fußballfans in Deutschland mit seiner Mannschaft jahrelang ansehnlichen und erfolgreichen Fußball serviert, doch was in der Hinrunde angeboten wurde, war teilweise ungenießbar. Das Scheitern in einer lösbaren CL-Gruppe und ein trostloser Mittelfeldrang in der Bundesliga deprimierten Fans und Freunde des nordischen Spaßfußballs. Und zwar vor allem wegen der Art und Weise, wie diese mäßigen Ergebnisse zustande kamen. Fehlende Ordnung, individuelle Formkrisen, mangelnde Disziplin. Nicht nur taktisch. Drei rote Karten schwächten Bremen vor allem gegen Ende der Hinrunde. Die daraus resultierenden Sperren werden sich auch auf die Rückrunde auswirken.
Haben Trainer und Mannschaft es geschafft, sich zu sammeln und ihre Selbstheilungskräfte zu mobilisieren? Schwer zu sagen. In einem längeren Interview mit dem Kicker spricht Schaaf von dem Verlust eines “fast durchgängig positiven Gefühl der letzten Jahre”, was sich in der Hinrunde nicht eingestellt habe. Das klingt düster, und wird durch Schaafs nüchterne Forderung nach konzentrierter Arbeit und Erfolgserlebnissen kaum aufgehellt. Nun war der nordisch-distanzierte Fußballlehrer noch nie jemand, der nach außen hin den Optimismus schürt. Doch etwas mehr Begeisterung, Emotionalität und öffentlichen Druck wünscht man sich bisweilen schon von einem Trainer, dessen Mannschaft sich in der Hinrunde zu oft gehen- und hängenließ.
Besonders die Führungsspieler der Werderaner liefen in der Hinrunde nicht rund. Per Mertesacker, den Schaaf bis heute gegen jedwede öffentliche Kritik verteidigt, ging durch ein ungewohnt langes Formtief, der in seiner Leistung stark schwankende Diego sorgte durch den Olympiastreit und sein Proiverhältnis mit Sarah Connar für unangenehme Störungen, und auch Torsten Frings kam aufgrund der Nationalmannschaftsdebatte kaum aus den Schlagzeilen heraus. Dass nun ausgerechnet Frings in der Rückrundenvorbereitung gegen Galatasaray Istanbul wegen einer weiteren Disziplinlosigkeit die rote Karte sah, lässt nichts Gutes erahnen. Das neue Jahr geht so los, wie das alte aufhörte. Schaaf und Allofs reagieren wie immer mit klaren Worten und Geldstrafen. Doch kommen diese Worte überhaupt an? In der Hinrunde kamen sie jedenfalls nicht an. Stattdessen wurden jüngst Gerüchte laut, dass sich in der Mannschaft konkurrierende Grüppchen gebildet hätten. Auch die Zahl der öffentlich Unzufriedenen steigt eher, als dass sie fällt. So ist es aktuell Boubacar Sanogo, der zu wenig Einssatzzeiten beklagt und damit einen neuen Brandherd eröffnet. Dies spricht alles nicht unbedingt für neuen Mannschaftsgeist, ebensowenig wie für Schaafs Autorität.
Wird Werder wieder? Irgendwann bestimmt. Doch wie schnell? Können sie das Ruder in dieser Saison noch rumreissen, um Kurs auf die internationalen Startplätze zu nehmen? Das wird davon abhängen, ob Schaaf der allgemeinen Unzufriedenheit in Bremen auf den Grund gehen und das “positive Gefühl der letzten Jahre” hervorholen kann.





Breitnigge




















Ich glaube, diese Saison landet Werder im grauen Mittelfeld.
Aber selbst schuld. Seit Jahren ist die Defensive ein Problem, nur bessert man dort nie gescheit nach.
Für Offensivkräfte hingegen werden viele Millionen ausgegeben.
Vielleicht lernen sie es ja nach dieser Saison mal.