Der naheliegenste Verlierer
Posted by Benjamin Weissinger | Posted in Allgemeines, Borussia Dortmund, Fussball, Trainer | Posted on 19-05-2008
Nun ist es offiziell: Thomas Doll hat die Saisonanalyse der schwarz-gelben Borussia nicht überstanden und muss seinen Hut nehmen. Seine 14-monatige Amtszeit war zwar kurz, aber ereignisreich und vielleicht am Treffensten mit “kurios” zu umschreiben. Im März 2007 kam Doll nach Dortmund, um Brandherde zu löschen, die Feuerwehrmann Röber hinterlassen hatte (“Diese Mannschaft ist untrainierbar.”) Dies gelang nach anfänglichen Schwierigkeiten und dem Abrutschen auf Platz 17 dann schließlich auch – vor allem aber gelang es, im letzten Heimspiel dem Erzrivalen Schalke 04 die Meisterschaft zu versauen, was wie ein Titel gefeiert wurde – während man mit Rang 9 am Ende nur die Nummer 3 im Revier wurde.
Es war gleichzeit der Beginn einer Schere zwischen schnell entzündlicher Euphorie und grauem Alltag, die besonders in der Saison 2007/2008 eklatant auseinandergehen sollte. Während sich der BVB in der Liga mit taktischen Unzulänglichkeiten, läuferischen Defiziten und indiskutablen Defensivleistungen ein ums andere Mal selbst unterbot, gelang es im Pokal bis nach Berlin und damit bis nach Europa vorzustoßen. Dolls Wutrede im April machte deutlich, dass er sich erhofft hatte, der Pokal würde die schlechten Leistungen in der Bundesliga ähnlich nivellieren, wie es der Derbysieg im vorherigen Jahr getan hatte – mit seinen expliziten Verweisen auf die “Erfolge” und dem unbeholfenen Wegwischen einer ganzen Saison erreichte er jedoch nur das Gegenteil. Schon zu diesem Zeitpunkt war das Schicksal des viel verspotteten Fußballlehrers besiegelt.
Doch ist Doll wirklich der alleinige Verantwortliche, der einzige Verlierer dieser Saison? Wohl kaum. Es war nicht Doll, dem es nicht gelang, eine wettbewerbsfähige Defensive zu verpflichten und die Leistungsdichte des Kaders zu erhöhen – dies geht auf das Konto des Sportdirektors Michael Zorc. Und für Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ist die Personalie Thomas Doll eine einzige Peinlichkeit, da er es war, der Dolls Verpflichtung erst möglich machte, seinen Vertrag im Januar 2008 um zwei Jahre verlängerte und von “überzeugenden, langfristigen Zukunftskonzepten” schwatzte. Die Freunde von Borussia Dortmund können nur hoffen, dass das Schicksal einen Trainer ins Ruhrgebiet führt, der stark genug ist, um unter diesen Voraussetzungen die Mannschaft wieder nach oben zu führen.





ClubFans



















