Ein Stern, der heller scheint als Bayern
geschrieben von Benjamin Weissinger | in FC Bayern München, Fussball, Hoffenheim, Medien, Spieler, Vereine | am 16. 12. 2008
Vielleicht musste Hoffenheim Herbstmeister werden, um in der Bundesliga richtig anzukommen. Der Erfolg des Aufsteigers ist so überragend, dass es mittlerweile selbst den größten Kritikern des Emporkömmlings albern vorkommen muss, alles aufs Hoppsche Geld zu schieben. Schnäppchen wie Compper und Weis, die für zusammengerechnet 250.000 Euro zum Aufsteiger wechselten, mussten erst Nationalspieler werden, der für eine Million Euro von Aachen gekommene Vedad Ibisevic musste erst 18 Hinrundentore schießen, um zu zeigen, dass man mehr braucht als ein volles Portemonaie, um Erfolg zu haben. Nämlich fachkundige Leute, die es sinnvoll ausgeben. Hoffenheim musste erst Traumfußball spielen, einen von der Sorte, in den man sich als echter Fußballfan sofort verliebt, um die Aufmerksamkeit der selbst ernannten Gralshüter der Bundesliga auf den Rasen zu lenken. Dort, wo Fußball gespielt und nicht verklärt wird. Spätestens nach dem 4:5 von Hoffenheim gegen Bremen kam keinem mehr der absurde Vorwurf über die Lippen, Hoffenheim “zerstöre den Fußball.”
Mit dem Erfolg kommen natürlich auch neue Kritiker. Waren zu Beginn der Saison die Neider noch die, die über Geld nur die Nase rümpfen, weil sie keines haben, sind es nun die, die dachten, sie wären für immer die Schönsten und Reichsten. Der Platzhirsch FC Bayern steht nach der Hälfte der Saison im Schatten des Rhein-Neckar-Riesen, und das den ganzen Winter lang. Hoffenheim, der neue Stern des Südens? Noch kann sich Hoeneß verkneifen, auf Dietmar Hopps Millionen zu schimpfen. Aber irgendwie Dampf ablassen muss er, und so wirft er Ralf Rangnicks Elf vor, eine Schauspielertruppe zu führen, und der DFL, Hoffenheim bei der Spielplanung bevorteilt zu haben. Über beides darf geschmunzelt werden. Von einem anderen Schlag ist Jürgen Klinsmann. Seine ehrliche und öffentlich geäußerte Hochachtung für die Arbeit von Rangnick, Schindelmeiser und Co. ist umso bemerkenswerter, da den Hoffenheimern derzeit das gelingt, was “Klinsi” in München einführen wollte: Modernen Offensivfußball in noch modernerer Hochleistungsumgebung. Statt dessen wird in der Arroganz-Arena Hitzfeld’sche Hausmannskost serviert, die dem Publikum nur deshalb schmeckt, weil ein grandioser Franck Ribery für die Aha-Erlebnisse sorgt. Trotzdem schafften es in den letzten Wochen zahlreiche Sportjournalisten mit der Aussage danebenzuliegen, das “System Klinsmann” funktioniere nun.
Das “System Rangnick” hat hingegen seinen Namen wirklich verdient. Als Chinedu Obasi sich nach überstandener Verletzung am 6. Spieltag einsatzbereit meldete und sich alle fragten, für welche zwei Stürmer sich Rangnick nun entscheiden würde, hatte der Fußballlehrer den Mut, einfach alle drei aufzustellen: Obasi, Demba Ba und Vedad Ibisevic. Noch bemerkenswerter ist, dass Rangnick das extrem offensive 4-3-3-System (zumal mit zwei offensiven Mittelfeldspielern praktiziert) auch nach dem 4:5 gegen Werder beibehielt – die anschließenden Erfolge gaben ihm Recht, das Sturmtrio erzielte sagenhafte 31 Treffer. Hoffenheim schoss jedoch nicht nur mehr Tore als der Zweitplatzierte FC Bayern, es kassierte auch weniger Gegentore. Angriff ist die beste Verteidigung – wenn die Angreifer bei Ballverlust die ersten Verteidiger sind. Willkommen im neuen Fußballjahrtausend.
Die Frage, ob Hoffenheim die Rückrunde so erfolgreich gestalten kann wie die Hinrunde, wird eine der Spannendsten im neuen Jahr. Auf was sich der spielstarke Aufsteiger in Zukunft gefasst machen muss, darauf gab es am Wochenende gegen Schalke einen Vorgeschmack. Angesichts der königsblauen Tret-Offensive konnten sich die Gastgeber in Mannheim glücklich schätzen, dass sich niemand ernsthaft verletzte. Wie auch immer die Rückrunde verläuft, schon jetzt ist klar: Der Dorfverein aus Hoffenheim ist eine Bereicherung für die Bundesliga.





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Sicher haben sie einige junge Talente aufgekauft und bessere Spieler aus ihnen gemacht. Doch ich finde man sollte trotzdem nicht vergessen wieviel Geld da in den letzten Jahren hineingeflossen ist. 30 Mio innerhalb von nur zwei jahren. Dazu nochmal rasch ein neues Trainingszentrum. Grade die Bedingungen abseits des Platzes sind besser als bei vielen Bundesligavereinen. Und das geht eben dann doch nur mal wieder mit der dicken Kohle.
Was mich an der ganzen Sache stört ist, dass Hoffenheim sich ein Image versucht zuzuschneidern, welches einfach nicht auf sie zutrifft. Hoffenheim ist genauso eine große Sensation wie Chelsea vor einigen Jahren. Interessant ist dieser Artikel hier: http://www.bundesligaforen.de/thread.php?postid=1303120#post1303120
Zum Teil etwas polemisch, aber ein wahrer kern ist nicht abzusprechen.
Ich finde es wirklich spannend, dass es mal ein obskurer Verein (mit massiv Gulden im Hintergrund) geschafft hat. Vielleicht macht das mal Schule und die Bundesliga wird wieder bunter.
Na ja, eine Schauspielertruppe sind sie schon, die Kraichgauer. Und ordentlich zutreten können sie selber auch.
Ganz davon abgesehen lasse ich mir als “echter Fußballfan” nicht vorschreiben, in welche Mannschaften ich mich verlieben “muss”.
Stand Hoffenheim seit beginn ziemlich offen gegenüber, jedoch wirkt der Verein mit ansteigendem Erfolg auf mich immer arroganter. Solche Äußerungen (Wahl zum Sportler des Jahres) gehören nicht in so ein Format und machen das Kaputt was sie durch guten Fussball aufgebaut haben, aber vielleicht wird Hoffenheim ja der neue FC Bayern!
Denke das Hoffenheim froh sein kann wenn sie unter die ersten 5 kommen, da ich nicht glaube das Ibisevic nochmal 18 Tore macht, ich denke aber auch nicht das Bayern es machen wird vielleicht schafft es ja mal Leverkusen oder der HSV wäre mal an der Zeit und Bayern kann dann meinetwegen Vize werden!
Grunze
[...] rangnicks-verhextes-zweites-jahr.de, uli-hat-es-doch-gewusst.de oder auch schauspielertruppe.de noch deutlich [...]
[...] für einen Aufsteiger bemerkenswerten Leistung ist mir ein wenig zu schmal ausgefallen. Mit dem erfolgreichen Spaßfußball Hoffenheims in der Hinrunde stieg auch der Anspruch, und es scheint einem garnicht [...]